Dienstag, 14. Februar 2017

Totgesagt und höchst lebendig: Die Schallplatte feiert ein Comeback


Sie sollte schon längst am Ende sein. Schon vor einem Vierteljahrhundert war für Experten ausgemacht, dass die 1890 im thüringischen Waltershausen erstmals in Serie produzierte Schallplatte keine Zukunft haben würde. Die CD war kleiner und billiger in der Herstellung.

Ihr Siegeszug schien unaufhaltsam: 1995 wurden in Deutschland nur noch 400 000 Platten, aber 177 Millionen CDs verkauft. Als später auch noch das MP3-Format dafür sorgte, dass immer mehr Menschen sich ihre Musik aus dem Internet luden, hätte das das Schicksal der sperrigen Vinylscheibe eigentlich besiegeln müssen.

Doch nun ist alles ganz anders gekommen. Statt nur ein paar Klangfreaks in abseitigen Nischen des Rockmarktes zu faszinieren, hat es die Schallplatte tatsächlich geschafft, ihren eigenen Tod zu überleben. Aus 400 000 verkauften Alben wurden im vergangenen Jahr 3,3 Millionen, der Anteil der Schallplatte am Gesamtumsatz der Musikindustrie lag damit bei 4,5 Prozent - fast zwanzigmal mehr als im schlechtesten Jahr des ältesten Trägermediums für Musik.

Immer noch kaufen die Deutschen zwar die Hälfte ihrer Musik auf CD und den Löwenanteil des Rests per Download. Doch die Gegenbewegung kommt immer auffälliger in Schwung: Gerade Fans aus der Generation digital wollen etwas zum Anfassen und in den Schrank zu stellen haben, sie ziehen das analoge Knistern einer Platte dem kalten, klinischen Sound eines aus Gründen der möglichst flotten Übertragung per Download oder Stream auf die hörbaren Frequenzen zusammengepressten Digitalstückes immer öfter vor.

Bands und Einzelkünstler reagieren längst. Kein Merchandisingstand in Konzerthallen kommt mehr ohne liebevoll gestaltete Vinylausgaben der aktuellen Werke aus, teilweise werden sogar exklusive Tracks nur auf Vinyl angeboten. Das Ergebnis: Inzwischen hat Technics, einst ein gelobter Hersteller von Plattenspielern, die zwischenzeitlich eingestellte Produktion wieder hochgefahren.

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