Dienstag, 24. April 2018

Digitalisierung Deutschland: Die Mauer ist zurück

Deutschland bleibt im Rennen um die Zukunft immer weiter zurück. Und immer mehr Bürger beschließen, nicht groß rumzujammern, sondern einfach abgehängt zu bleiben.


Nur noch ganz, ganz langsam wächst die Zahl der Internetnutzer in Deutschland. Nach den Ergebnissen der aktuellen Studie zum Digital-Index der Initiative D21 stieg der Anteil der sogenannten Onliner im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2016 mit zwei Prozent etwas stärker als in den Vorjahren. Doch zugleich verfestigt sich am unteren und älteren Rand der Gesellschaft eine Schicht aus Bürgerinnen und Bürgern, die erklärtermaßen beschlossen haben, ohne Internet zu leben.


Eine digitale Spaltung, an der auch das erneut von der Gruppe der über 50-Jährigen getragene Wachstum der letzten zwölf Monate nichts ändert. Etwa ein Fünftel aller Menschen, die im Lande leben, sieht bis heute keinen Sinn darin, sich einen Computer, ein Tablet oder auch nur ein Smartphone anzuschaffen.

 
Nur noch ein Prozent der derzeit 19 Prozent Totalverweigerer plant, ins Netz zu gehen. Die meisten Mitglieder dieser abgehängten Gruppe sind nach Angaben der Studienverfasser im Rentenalter, viele von ihnen verfügten nur über eine geringe Bildung. Alltagstechniken wie Online-Banking, Messaging-Apps oder digitale Fotografie seien ihnen unbekannt, sie fehlten ihnen allerdings auch nicht. "Für das eigene Leben sehen sie ohne das Internet daher auch keinen Nachteil."

 
Verglichen mit den führenden Online-Nationen bleibt Deutschland damit weiter zurück. In Südkorea etwa haben 94 Prozent der Einwohner mindestens ein Smartphone, auch Australien (93) und Kanada (90) liegen hier über oder bei 90 Prozent Nutzung. In Deutschland hingegen hat sich das Wachstum seit 2010 dauerhaft geschwächt: Dauerte es von 40 auf 50 Prozent Nutzung noch zwei Jahre, waren es von 50 auf 60 Prozent vier und von 70 auf 80 dann schon acht.

 
Insgesamt stehe hierzulande mit 16 Millionen Menschen "ein alarmierendes Viertel der Bevölkerung im digitalen Abseits", heißt es in der Studie. Alarmierend sei, dass Teilhabe an der Gesellschaft zunehmend an die digitale Welt gebunden sei. Menschen, die sich diese nicht erschließen könnten oder wollten, würden zunehmend "von gesellschaftlichen Entwicklungen ausgegrenzt". Aber auch viele Internetnutzer sind kaum in der Lage, mit Fachbegriffen aus der digitalen Welt umzugehen. "Cookies" und "Cloud" hatten mit 58 und 56 Prozent noch den größten Bekanntheitsgrad, "Bots" sagen nur 23 Prozent etwas, "E-Government" nur 19 Prozent. 

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