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| Ein beeindruckendes Biotop, herangezogen in Jahren banger Erwartung, dass die grüchige Mauer tatsächlich einstürzen könnte. |
Ganz besondere Kleinode im Stadtbild sind oft schwer zu entdecken, denn sie liegen häufig versteckt in Ecken, an die kaum ein Tourist gelangt. Manchmal aber ist gerade hier zu sehen, wie Orte wachsen und erblühen, sich neu erfinden und langsam beginnen, etwas Neues zu werden.
Mitten in der Innenstadt von Halle etwa findet seit mehr fast zehn Jahren ein groß angelegtes, aber kaum beachtetes Experiment statt. In der Nähe des berühmten Stadtgottesackers am Rand des Stadtparks wurde um das Jahr 2017 herum ein großer Teil eines öffentlichen Parkplatzes gesperrt, weil die "Wurzel eines Baumes durch ihren Druck das Mauerwerk geschädigt" habe, wie der zuständige Beigeordnete René Rebenstorf Jahre später begründete.
Parkplätze dauerhaft vom Markt genommen
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| Verfall m Wandel der Zeit. |
Vor vier Jahren stand dann fest, dass das bedrohlich beschädigte Mauerstück abgetragen und durch eine Stützmauer aus Beton ersetzt werde. Diese erhalte eine Verblendung, „um den ursprünglichen Charakter zu erhalten“. Damals wurde die Umgestaltung des Stadtpark geplant, man war bei Abschnitt Nummer vier, die Sanierung der Mauer sei danach an der Reihe.
In Kürze feiert diese historische Ankündigung ihren fünften Geburtstag, doch inzwischen verbietet sich ein Eingreifen schon auss Gründen des Naturschutzes. Unbemerkt von der Öffentlichkeit und unbeachtet von Besuchern der Stadt, hat sich hinter den Absperrgittern, die weit vor den lange zurückliegenden pandemierjahren aufgestellt worden waren, ein wunderschönes wildes und ursprüngliches Biotop entwickelt. Ein Stückchen grüne Lunge, das zeigt, wie sich die Natur Landschaften zurückholt, die der Mensch aufgegeben hat.
Die Natur holt sich die Stadt zurück
Nicht nur in den Blumenkübeln, die die Bauzäune seit Jahren unterstützen, gedeihen große Gräser und Kräuter. Auch aus dem seit Jahren unbetretenen Pflaster sprießt es prächtig. Die mittlerweile von jungen Künstlern mit hübschen Graffitibildern aufgewertete Mauer gibt dem Ganzen ein würdiges Gepränge: Vorn das Biotop, das womöglich schon in Bälde unter Schutz gestellt werden muss. Dahinter die fantasievollen Bilder, die belegen, dass Halle seinen Beinamen "Kulturhauptstadt" nicht ohne Grund trägt.
Eine Idylle mitten in der City, die die Stadtväter sich einiges haben kosten lassen. Allein die Parkplatzgebühren, die wegen der Sperrung seit Jahren nicht erhoben werden können, dürften sich bis heute auf mindestens 100.000 Euro summiert haben.
Dieses Geld aber hat niemand bezahlt, so dass alle kräftig gespart haben.
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