Freitag, 5. Juni 2015

Das teuerste Abendessen der Welt

Sie nennen ihn das „Orakel von Omaha“, weil der inzwischen 85-jährige Warren Buffett es vom Zeitungsboten zum drittreichsten Menschen der Welt gebracht hat. dabei spricht Warren Buffett eigentlich recht wenig über die Methoden, mit denen er sein ungeheueres Vermögen gemacht hat.

Buffett, ein Mann mit Gesichtszügen wie verwitterter Felsen und einer Hornbrille wie weiland Rateschwein-Lembke, hat dazu nicht einmal selbst irgendetwas erfinden müssen: Er kaufte einfach mit elf Jahren seine erste Aktie, machte Gewinn und hat seitdem nie mehr damit aufgehört. Fast 60 Jahre lang hat der Vater von drei Kindern sein Vermögen so alljährlich um ein Fünftel vermehrt. Rechnen Sie mit: Aus schmalen 20 000 Euro wird so locker mehr als eine Million. Oder im Fall von Buffett ein Vermögen von rund 72 Milliarden.

Hinter dem Geheimnis, wie der greise Investor das anstellt, sind da natürlich viele her. Seit einigen Jahren versteigert Warren Buffett deshalb ein Abendessen mit sich, bei dem der Höchstbieter im besten Fall ein paar Häppchen vom reichen Wissenschatz des Superspekulanten schnabulieren kann. Und Buffett im Gegenzug ein hübsches Sümmchen erhält, das er unter großer öffentlicher Anteilnahme für wohltätige Zwecke spenden kann, ohne ans eigene Konto rangehen zu müssen.

Das Höchstgebot in der aktuellen Auktion des diesjährigen Dinners mit der Geldmaschine steht bei 1,5 Millionen Dollar, umgerechnet mehr als eine Million Euro. Das ist nicht unbedingt preiswert, obwohl der Gewinner sieben Freunde zum Essen mitbringen darf. Vor zehn Jahren gab es Buffett noch für eine Million weniger!

Aber richtig teuer aber ist das Abendmahl auch nicht, denn Buffetts Abendessenaktien sind zwar langfristig immer gestiegen, zuletzt jedoch gefallen: 2003 zahlte David Einhorn von Greenlight Capital noch 250100 Dollar, 2008 blechte Zhao Danyang aus China erstmals etwas mehr als zwei Millionen, 2012 legte Anonymous dann 3,4 Millionen hin und letztes Jahr ging das Essen für 2,2 Millionen weg.

Dienstag, 2. Juni 2015

Kreuz­fahrt auf dem Jangtse


Kaiser haben ihn befahren, Mao Tsetung hat ihn besungen und er hat mehr Namen als jeder andere Fluss: Der Jangtse ist der größte Strom Chinas. Und dennoch weitgehend unbekannt.

Der Nebel hängt schon am Morgen wie ein feuchtes Tuch über Chongqing. Die Luft ist nass, der Himmel über der 32-Millionen-Metropole im chinesischen Hinterland grau. Smog? Industrieabgase? Lilly, die in Chinas jüngster Regionshauptstadt aufgewachsen ist, schüttelt den Kopf. "Der Dunst kommt vom Fluss", sagt die Fremdenführerin, die eigentlich einen chinesischen Namen trägt, sich aber wie alle Einheimischen einen westlichen Zweitnamen zugelegt hat, um den "lieben Gästen" aus dem Westen Kopfzerbrechen über die richtige Aussprache zu ersparen. 300 Tage im Jahr liegt Chongqing so in den Wolken. Das sei eine sehr feine Sache, freut sich die 25-Jährige. "Durch die feuchte Luft haben Frauen in Chongqing die schönste Haut von ganz China!"

Herumgesprochen hat sich das aber noch nicht weiter. Chongqing, rund 2 000 Kilometer im Inland gelegen, ist die große Unbekannte unter den chinesischen Weltstädten. Erst der Bau des umstrittenen Drei-Schluchten-Damms machte die Hochburg des chinesischen Autobaus für große Schiffe erreichbar. Er sichert auch die Befahrbarkeit des drittgrößten Flusses der Welt für eine neue Generation riesiger Kreuzfahrtschiffe.


Die starten dort, wo der kleinere Fluss Jialing in den größeren Jangtse mündet. Neben chinesischen Anbietern, die sich bei Ausstattung und Service an Bord am Geschmack der wachsenden Zahl einheimischer Touristen orientieren, zielen andere Unternehmen auf die internationale Kundschaft.

Die Kabinen sind größer, die Speisekarten westlicher, der Cruise-Director ist ein junger Amerikaner, der Komfort entspricht dem eines Fünf-Sterne-Hotels. Wie auf einem großen Kreuzfahrer gibt es für die Gäste aus Deutschland, den USA und Spanien Roomservice, Kapitänsdinner und Wäscheservice. In Musestunden läuft ein buntes Unterhaltungs- und Bildungsprogramm von Lektionen in Chinesisch und fernöstlicher Medizin bis zu Majong-Turnieren und Musicalshows. Der Unterschied zu einer Reise auf dem Meer: Diese Kreuzfahrt führt immer geradeaus.

Eine Fahrt von Chongqing bis nach Shanghai, wie sie das US-Unternehmen Victoria Cruises anbietet, ist die bequemste Art, das Reich der Mitte von innen kennen zu lernen. Denn Städte wie Peking oder Shanghai sind etwa so sehr das wahre China wie der Ku-Damm in Berlin das wahre Deutschland ist: Zu viel Chrom, zu viel Glanz, zu viel Licht und Geschwindigkeit.

Draußen auf dem Strom, der auf chinesisch Changjiang - "Langer Fluss" - heißt, wird die ganze Dimension und Komplexität des Landes deutlich. Bald hinter Chongqing schwillt der 6 380 Kilometer lange Fluss zum Stausee des Drei-Schluchten-Dammes. Der würde, auf eine Deutschland-Karte gelegt, von Berlin bis München reichen.

Doch China ist nicht nur eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften, eine der ältesten Kulturen und eines der letzten kommunistischen Länder. Sondern auch Heimat gewaltiger Naturdenkmäler, technischer Mammutprojekte und freundlicher Menschen, für die jede "Langnase" Grund ist, das Fotohandy zu zücken. Eine Reise auf der "Victoria Prince", dem modernen Flaggschiff von Victoria Cruises, führt zuerst in die Geisterstadt Fengdu, die den Chinesen seit 1 800 Jahren als Sitz des Königs der Unterwelt gilt. Auf dem Gipfel des Mingshan-Berges, den man zu Fuß oder mit der Seilbahn erreicht, steht der Tempel des Höllenkönigs, bis zu dem die anschwellenden Fluten des gestauten Jangtse nicht reichen. Die alte Stadt Fengdu hingegen, die am Fuße des Berges lag, ist verschwunden. Blinkende Lichter am anderen Ufer künden vom neuen Fengdu, einer Stadt vom Reißbrett mit vierspurigen Straßen, Hochhäusern und Leuchtreklamen.

Am nächsten Morgen wirken die drei atemberaubenden Schluchten Qutang, Wu und Shennongxi umso einsamer. Steil ragen die Felsen an Backbord und Steuerbord in den Himmel. Ein paar Jahrhunderte alte Wandmalereien und einige winzige Häuschen nur verraten, dass im kargen Bergland noch immer Menschen leben.

Die meisten aber, das zeigen die Pegeltafeln am Ufer, sind schon fort. Insgesamt hat der 17 Milliarden Euro teure Damm, den Chinas Staatsgründer Sun Yat-sen vor 80 Jahren eigenhändig entwarf, mehr als 600 Quadratkilometer mit 13 großen und 140 kleinen Städten, 1 000 Dörfern und 650 Fabriken verschluckt. 1,3 Millionen Menschen wurden umgesiedelt, zum Teil weit nach Norden, zum Teil ins Umland von Shanghai.

Kollateralschäden beim Aufbau der Zukunft, die auch Riverguide Curtis Ning sieht. Zweifel an der Notwendigkeit des Staudammes aber hat der 28-Jährige, der aus einer unter Mao verfolgten Familie stammt, nicht. "Drei Millionen Menschen sind bei Überschwemmungen im vergangenen Jahrhundert umgekommen", rechnet er vor. Allein in den letzten 15 Jahren habe es sechs Hochwasser gegeben, die Tausende töteten. "Deshalb brauchen wir den Damm."

Ganz nebenbei aber, sagt Cherry, die an der Staumauer einen endlosen Strom von chinesischen Reisegruppen in das größte Dammprojekt der Menschheit einweist, "wird der Drei-Schluchten-Damm auch die größte Stromgewinnungsanlage der Welt sein." 200 Millionen Kilowatt wird "Three Gorges" ab 2009 liefern - eine Leistung, für die China sonst 20 Kernkraftwerke hätte bauen müssen.

Die Zeugen der eigenen Geschichte aus dem Landstrich am langen Fluss bunkern Staatspartei und Verwaltung derweil in futuristischen Glaspalästen wie dem im Stil des Drei-Schluchten-Damms gebauten Museum in Chongqing. Hier wird das Erbe multimedial und mehrsprachig zelebriert. Das alte China aus der Konserve, damit das neue draußen Platz hat.

Aber auch auf dem Fluss ist die Vergangenheit noch präsent. Von Badong etwa, der Hafenstadt zwischen Schluchten und Damm, fahren Boote in die kleinen Schluchten, durch die sich der klare Shennong-Strom in den trüben Jangtse ergießt, der pro Jahr 530 Millionen Tonnen Schlick aus dem Himalaya-Gebirge ins Meer transportiert.

In Longshang, einer Siedlung, die vor der Flutung auf die andere Uferseite verlegt wurde, warten dann winzige Kähne, die von Männern der Tujia-Minderheit abwechselnd gerudert und zu Fuß an einem Seil durch das seichte Wasser geschleppt werden. Die Ufer hier sind steil aufragende Massive, in denen das Volk der Ba in grauer Vorzeit seine Toten bestattete. Hoch oben in den Felswänden hängen bis zu 2 000 Jahre alte Särge.

Wuhan und Nanjing sind dann wieder modernes China aus Stahl und Chrom, das sich Geschichte wie einen Garten leistet. Noch ein Abstecher zum Huangshan, dem "Gelben Berg", spätestens seit Maos Bastschuh-Marsch auf den Gipfel höchstes Heiligtum der Nation. Und hier ist auch der Nebel wieder, der über dem Tal hängt wie auf einem dreitausend Jahre alten Tuschgemälde. Am Lotosblütenberg, dessen bizarre Gipfel aus dem Wolkenmeer ragen, fallen Tradition und Moderne schließlich ganz unauffällig zusammen: Betreiber des Berges ist neuerdings eine Aktiengesellschaft, die an der Schweizer Börse gehandelt wird.

Freitag, 29. Mai 2015

Minecraft: Wenn Betrüger betrogen werden

Ehrlichsein ist leicht im Computerspiel. So lange sie vorwärtskommen, können Spieler es verschmerzen, dass sie auf der Nase landen oder ganz von vorn anfangen müssen. Wie beim Mensch-ärgere-Dich-nicht liegt der Spaß ja gerade darin, es trotzdem zu schaffen, gegen alle Widerstände und weil es nicht leicht ist.

Wie beim Mensch-ärgere-dich-nicht lässt sich dem Glück aber auch im Computerspiel nachhelfen. Eine ganze Industrie lebt davon, fertige Lösungen anzubieten, die Spielern beim Schummeln helfen: Statt auszuprobieren, wie sich ein Hindernis überwinden lässt, kauft der gewitzte Gamerfertige Tricks einfach ein. Zack, als würde man beim Mensch-ärgere-Dich-nicht auf einmal mit allen Männchen im Ziel stehen.

Im weltweit beliebtesten 3D-Spiel Minecraft sind nun allerdings hunderttausende solcher kleinen Schummler selbst böse betrogen worden. Helfer-Programme, die vorgaben, Ratlosen Tipps geben zu wollen, warnten stattdessen vor gefährlichen Viren auf den Handys neuer Nutzer. Die wurden damit so erschreckt, dass sie - wie von dem Programm geraten - eine SMS abschickten, die angeblich augenblicklich Abhilfe schaffen würde.

Tat sie nicht, denn in Wirklichkeit schloss der Nutzer mit der SMS nur ein Abo für fünf Euro pro Woche ab, das keinerlei Nutzen hat. Abgesehen davon natürlich, dass es Betroffene vollelektronisch an Omas Mahnung beim Mensch-ärgere-Dich-nicht erinnert: Ehrlich währt am längsten.