Montag, 14. Dezember 2015

Karl die Große: Er­wach­se­n-Pop mit Stil und Verstand




Wäre Sven Regener, der Sänger der Berliner Deutschrock-Band Element of Crime, eine Frau, dann würde er vielleicht so klingen wie Wencke Wollny. Die ist Sängerin der Leipziger Band mit dem schönen Namen Karl die Große - und die wiederum hat mit "Dichter bei den anderen" gerade ein Debütalbum vorgelegt, das nicht nur im musikalischen Ausdruck an den lapidaren, knochentrockenen Stil der Regener-Truppe erinnert.

"Dichter bei den anderen" vermeidet die große Geste zugunsten lakonischer Beschreibungen. In "Meer" begleitet eine zart gezupfte Gitarre Wollny, die "Karl" genannt wird und mit ihrer Körpergröße von 1,86 Metern Namenspatin des Quintetts war. "Siebenmeilenstiefel" beginnt mit Elektro-Geblubber, stampft dann aber in einem schrägen Jazz-Rhythmus voran. Mit Posaune, Klarinette, Bass, Gitarre und Keyboards haben die fünf Studenten der Leipziger Musikhochschule alles zur Verfügung, um manchmal so zu klingen wie der späte Sting, manchmal aber auch wie die deutschen Kapellen Fink oder Erdmöbel.

Das Eigene, das Wollny, Posaunistin Antonia Hausmann, Klarinettist Simon Kutzner, Gitarrist Yoann Thice und Schlagzeuger Clemens Litschko hier einbringen, steckt nicht nur in der Mischung, sondern auch in Texten voller Widerhaken. Clueso-Fan Wencke Wollny spielt mit Worten, bricht Harmonien, reimt doppeldeutig "halt dich fest/woran du glaubst".

Heraus kommt Kopfmusik, sechsmal Kammerklang wie in "Weitergehen" und "In Ketten". Karl die Große ist der Sound für kalte Winterabende mit viel Zeit zum Nachdenken. Eine Entdeckung, die zu hören lohnt.

Zum Video der Band:
www.bit.ly/karldiegroße

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