Montag, 30. Mai 2016

Travis: Ein feines Lächeln zum Trost



Fran Healy trägt jetzt Bart, das ist der Unterschied zu früher. Und vielleicht, dass es dem britischen Quartett Travis im 20. Jahr ihres Bestehens gelungen ist, aus dem kleinen kreativen Tal der letzten zehn Jahre herauszufinden. Und mit "Everything at once" wieder ein Album zu machen, das einen Ohrwurm an den nächsten fädelt, wohligen Gesang in wunderschöne Melodien packt, ein bisschen Depression mit dem Hörer teilt und am Ende doch immer ein feines Lächeln zum Trost bereithält.

Für eine Band, die seinerzeit ein bisschen spät zur großen Britpop-Party mit Blur und Oasis kam und dann auch noch leise Lieder wie "Why Does It Always Rain on Me" im Gepäck hatte, ist das Überleben bis heute allein nicht schlecht. Healy und seine drei Dauerbegleiter aber gewinnen ihrem patentierten Travis-Sound im achten Anlauf sogar noch einmal neue Seiten ab. "Radio Song" stampft ein bisschen mehr als üblich,"Animals" eröffnet mit Streichern und tänzelt dann durch eine samtige Kuschelmelodie, ehe der folgende Titelsong als eine Art Rap auf elektronischem Gedüdel eröffnet, bis er sich in Breitwandgitarren auflöst.

Alles auf einmal, wie der Titel schon verrät. Vor allem aber klassische Travis-Kost wie "3 Miles High", die dort weitermacht, wo "Driftwood" Ende der 90er Jahre aufhörten. Hymnisch, elegisch, Musik zum Träumen und ziellos in die Landschaft schauen. 


"Öffne alle Fenster", flüstersingt Fran Healy hier zu akustischen Gitarren, "schau in die Zukunft und auf alles bis hierher". Ein Philosoph, immer noch, der in "Idlewild" dann auch noch zusammen mit Josephine Oniyama den schönsten Sommerkrimi des Jahres singt.

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