Samstag, 7. Dezember 2013

Erstaunliches von Abderhalden

Es ist schon seltsam mit diesem Emil Abderhalden. Je länger man sich mit dem Mann beschäftigt, desto erstaunter ist man von der Vehemenz, mit der er durch den Saal getragen wird, um mit nachholendem Mut zu beweisen, wie gut man die Lektionen der eigenen Geschichte gelernt hat.

Dabei stellt sich die Faktenlage beim Betrachten der Biografie des angeblichen Angehörigen des Nazi-Establishments als sehr viel heterogener dar als dass die Anhänger einer Vergangenheitsbewältigung per Ausblendung gespaltener Lebensläufe gern hätten. Im Fall von Heinz Kürten etwa, einem Edel-Nazi, der bereits 1931 der NSDAP beitrat und später als Gaufachberater für Rassenhygiene in der Gauleitung Halle-Merseburg tätig war, stand der heute als Rassist kritisierte Abderhalden auf der Seite der wissenschaftlichen Redlichkeit, von der heute so viel die Rede ist.

 Kürten, der nicht nur wie Abderhalden dem kurzlebigen und einflußlosen NS-Lehrerbund beitrat, sondern ein Jahr später in den nun für Hochschullehrer zuständigen NS-Dozentenbund wechselte, war der Vertrauensmann der NSDAP an der Medizinischen Fakultät Halle und er wurde "in Anerkennung seiner Verdienste" 1934 zum außerordentlichen Professor an die Universität München berufen, wo er Lehrgänge für Rassenhygiene leitete.

Im Dezember 1934 wurde Kürten zum Ordinarius für Innere Medizin, Erblehre und Rassenhygiene an der Universität München ernannt. Von 1935 bis 1937 war er dann dort Dekan der Medizinischen Fakultät mit Forschungsschwerpunkt menschliche Erblichkeitslehre und Rassenpflege.

Was das mit Emil Abderhalden zu tun hat? Nun, der verhinderte 1936 eine Berufung Kürtens auf den Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Halle, in dem er ankündigt, in diesem Fall seine eigene wissenschaftliche Arbeit einzustellen.

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