Montag, 18. Mai 2015

John Grisham: Ein anderes Wort für Gerechtigkeit

Sie gehört zu den Gewinnern, das Konto ist voll und die Zukunft lässt auf noch mehr hoffen. Die junge Anwältin Samantha Kofer wird erst aus ihrem Traum von der Karriere in einer großen New Yorker Anwaltskanzlei gerissen, als die Finanzkrise ihre Firma zwingt, die Belegschaft auszudünnen. Auch Samantha muss gehen. Weil es leider gerade keine Jobs für Immobilienanwälte gibt, verschlägt es sie nach Süden, in die Appalachen, wo sie ohne Bezahlung helfen soll, einer Kleinstadtkanzlei bei deren wenig lukrativen Kleinstadtfällen zu helfen.

John Grisham liebt solche Konstellationen, das wissen Millionen Leser spätestens seit den Welterfolgen „Die Firma“ und „Die Akte“. Auch bei „Anklage“, dem 23. Justiz-Thriller aus der Feder des heute 60-Jährigen, funktioniert die Methode wieder: Samantha Kofer findet sich in einer fremden Welt wieder - und sie muss bald erkennen, dass hier, hinter sieben Bergen, das wahre Leben wütet.

Es ist mehr Umwelt- als Justiz-Thriller, den Grisham da geschrieben hat, denn im Mittelpunkt der Ereignisse steht diesmal nicht ein Streit vor Gericht oder das Ränkespiel im Hintergrund eines Verfahrens. Stattdessen schildert der studierte Anwalt, welch verheerende Auswirkungen die Kohleförderung in West-Virginia auf die Natur des sogenannten Mountain State hat.

Geschleifte Berge, ausradierte Flüsse, vergiftetes Grundwasser, Grubenkumpel mit Staublunge, gierige Konzerne und Mordanschläge - natürlich bettet Grisham seine Beschreibungen der Apokalypse vor der Haustür in eine packende Handlung ein. In der muss die von echter Anwaltsarbeit unbeleckte Samantha Kofer Farbe bekennen: Will sie zurück an die Futternäpfe der juristischen Großindustrie? Oder ist sie bereit, den aussichtslosen Kampf gegen mörderische Konzerninteressen aufzunehmen? John Grisham hat mit „Die Akte“ schon vor 20 Jahren einen Thriller mit Öko-Hintergrund geschrieben. Hier aber steht der Öko-Gedanke im Vordergrund.

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