Sonntag, 23. September 2018

Hermann Zickert: Der Warren Buffett aus dem Mansfeld

"Arbeiten Sie mit Ihrem Kapital! Streben Sie nach Rente, nicht nach Kursgewinn! Kaufen Sie nur marktgängige Sachen! Lassen Sie sich nicht durch Versprechungen blenden! Prüfen Sie, bevor Sie kaufen! Fragen Sie nicht den Bankier um Rat! Versäumen Sie nicht rechtzeitigen Verkauf! Machen Sie keine Bankschulden!" Ratschläge, die Hermann Zickert gab, eine Art Warren Buffett aus dem Mansfelder Land.


Zickert war der Sohn eines Fleischermeisters aus Eisleben, besuchte das Gymnasium in Sondershausen und wurde zum Börsenpionier in Deutschland: Seiner Zeit weit voraus, gilt der 1885 geborene Börsehai als Gründer der modernen Finanzmarktanalyse. Die von ihm entworfenen Werkzeuge benutzen die Analysten von n-tv bis zum Bundeswirtschaftsministerium bis heute.

Zickert war aber nicht nur ein Erneuerer des finanztechnischen Denkens, sondern auch ein Mann mit klaren Prinzipien. In Heidelberg promoviert, gründete er später die Fachzeitschrift "Spiegel der Wirtschaft", wollte sich und seine Ideen aber von niemandem vereinnahmen lassen. Noch ehe Hitler die Macht ergriff, flüchtete Zickert vor dem "schweren psychologischen Druck" (Zickert) in der Heimat nach Liechtenstein, um "einen freieren, weiteren Blick zu gewinnen".

Gerade noch rechtzeitig. 1936 verboten die Nazis den Vertrieb seiner Zeitschrift in Deutschland. Zuvor hatte Zickert sich über die Konjunkturprognosen der großen Wirtschaftsforschungsinstitute lustig gemacht: "Wenn so große Institute in ihren Forschungsergebnissen so gründlich versagen", schrieb er, "wie muss dann die Planwirtschaft aussehen, die sich auf solche Wahrheiten aufbaut!"

Zickert überlebte den Krieg im Exil, später wurde er mit seinem Blatt und seinen Lehren zum Berater unzähliger Kleinanleger. Der vergessene Börsenpionier starb 1954 in Liechtenstein.

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