Donnerstag, 3. März 2016

Streamingboxen: Strom ist in der kleinsten Hütte


Mit neuartigen Sticks machen Amazon, Google und eine Reihe anderer
Anbieter den inzwischen so beliebten TV-Boxen Konkurrenz.


Wie so oft war der amerikanische Hightech-Konzern Apple seiner Zeit voraus, als Firmenchef Steve Jobs im März 2007 „nur dieses eine Ding noch“ vorstellte. Es war ein kleines schwarzes Kästchen, runde Ecken und ein paar Steckdosen. Mit 40 Gigabyte Speicherplatz war der Apple TV aus heutiger Sicht üppig bestückt, aber seinerzeit waren selbst DSL-Anschlüsse noch recht langsam, wer einen Film im Internet sehen wollte, tat eben gut daran, ihn vorher abzuspeichern.

Der Apple TV ist nie ein richtig großer Erfolg geworden. Dafür aber wurden es Nachfolgemodelle von Konkurrenten. In den USA schaffte die Online-Videothek Netflix das Kunststück, eine ganze Kompanie von Playern der Hersteller Roku, LG, Samsung und Microsoft zu beliebten Wohnzimmer-Accessoires zu machen. In Deutschland brauchte Amazons Fire-TV-Box knappe zwei Jahre, um in Millionen Haushalten einen Platz zu finden. Und auch Google landete mit seinem Nexus-Player einen Achtungserfolg.

Aber schon scheint sich das Zeitalter der sogenannten Network-Player dem Ende zuzuneigen. Sowohl Google als auch Amazon setzten zuletzt stärker auf preisgünstigere Sticks zum Anschluss von TV-Geräten ans Internetfernsehen. Rund 40 Euro spart, wer den Fire-Stick statt der Fire-TV-Box kauft, im Google-Universum ist der Chromecast-Stick sogar 64 Euro billiger als der Nexus-Player.

Was aber büßt man ein, wenn man sich für die günstigere Variante entscheidet? Welche Funktionen haben die Boxen, über die die Sticks nicht verfügen? Welche Vorteile gibt es, welche Nachteile?
Klar ist, dass Sticks, wie sie Amazon und Google, aber auch Samsung, Hama und zahlreiche weitere Firmen anbieten, einem anderen Prinzip folgen als TV-Boxen. Statt eines kleinen Computers, der ins heimische Wlan eingeklinkt wird und Signale von dort selbst verarbeitet, sind Sticks nur kaum fingergroße Empfangseinheiten von bereits verarbeiteten Signalen. Für den Zuschauer ist das nicht entscheidend, denn der Unterschied ist bei laufendem Film oder einem Youtube-Clip nicht zu sehen. Bei der Programmwahl aber macht er sich doch deutlich bemerkbar.

Denn wo eine TV-Box auch funktioniert, wenn kein PC, Laptop, Tablet oder Smartphone in der Nähe ist, benötigt der TV-Stick dringend ein externes Bedienpult. Das liegt an der grundsätzlichen Funktionsweise: Die TV-Box nimmt selbständig Verbindung mit dem Internet auf und kann hier - mit dem Fernseher als Bildschirm - über eine Fernbedienung durch Filmlisten, Apps und zu eigens optimierten Internetseiten gesteuert werden. Der TV-Stick dagegen, über die HDMI-Buchse an den Fernseher gesteckt, bleibt ohne Steuerungsgerät trotz Netzanbindung über Wlan blind und stumm: Er sieht nichts, sendet nichts und lässt sich zu nichts gebrauchen.

Erst mit der Kopplung an ein Smartphone oder einen Computer spielt der Stick die Vorteile aus, die er trotz des niedrigeren Preises hat. Entscheidend ist dabei vor allem, dass es sich um ein vergleichsweise offenes System handelt. Während die Fire-Box, aber auch der Nexus-Player gefangen sind im Biotop der Amazon- beziehungsweise der Google-Play-Bibliothek, ist es dem Chromecast völlig gleichgültig, welche Inhalte er an den Fernseher überträgt. Im Grundsatz gilt einfach: Alles, was an Internet-Inhalten auf einen Bildschirm übertragen werden kann, lässt sich mit einem Klick auch auf dem Fernsehbildschirm zeigen. Einzige Voraussetzung ist die - kinderleichte - Installation einer Steuerungsapp wie Google Cast, die es mit einem Klick ermöglicht, den Inhalt des Computer- oder Smartphonebildschirms auf das TV-Gerät zu übertragen. Die Einrichtung braucht keine Computerkenntnisse, nach zwei Minuten läuft alles.

Und das heißt, wirklich alles. Zwar hat Amazon seinen Fire-Stick auf die eigene Prime-Filmfarm geeicht. Doch beim Chromecast und bei den Sticks der freien Anbieter ist die Freiheit nahezu grenzenlos. Egal, ob Playstore, Prime, Netflix oder Maxdome, was am Rechner läuft, läuft auch auf dem Fernseher. Ohne Arbeit an PC oder Laptop zu stören: Ist ein Film erst einmal gestartet, kann weitergearbeitet werden, ohne dass neu aufgerufene Fenster am PC erscheinen.

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