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Donnerstag, 5. März 2026

Halle-Neustadt: Die nummerierte Stadt

Zwischen den Blöcken spielten Kinder, die keine Straßennamen lernen mussten, nur Zahlen.

New York hat die Fifth Avenue, berühmt sind die 42nd Street in der Nähe des Times Square und die 34th Street in Manhattan. Das wahre mathematische Stadt-Abenteuer des 20. Jahrhunderts aber fand in Halle-Neustadt statt. Als sozialistisches Utopia auf dem Reißbrett entworfen, verzichtete die Chemiearbeiterstadt fast völlig auf Straßennamen. Die Erbauer hatten sich etwas ausgedacht. Sie setzten auf ein ausgeklügeltes, streng logisches und wissenschaftlich begründetes  System aus Blocknummern, das Außenstehende zur Verzweiflung und Postboten an den Rand des Wahnsinns trieb.

Pure Logik oder kybernetisches Chaos? Als einziger Ort in der DDR kannte die Plattenbausiedlung Halle-Neustadt keine Straßennamen, sondern nur Blocknummern. Doch es war ein nur für Außenstehende rätselhaftes System - wer hier wohnte, wusste, wie es funktioniert. Nur warum, das wusste niemand. Das letzte Geheimnis der Geschichte einer Stadt, die in das sozialistische Jahrtausend marschieren wollte, blieb bis zum Ende eins. Zehntausende hatten zwar gelernt, sich zwischen kryptischen Ziffern und aufgemalten Baumsymbolen zurechtzufinden. Aber wieso eigentlich war das alles so?

Gebaut als Halle-West

Dass sich der Block mit der Nummer 491 nur ein paar Meter neben der 391 befand, die 324 dafür aber direkt gegen der 253 und die 617 neben der 499 war ein Rätsel. Aber keines, das die Menschen beschäftigte, die in Halle-Neustadt wohnten. Die Plattenbausiedlung, ab 1963 als Halle-West errichtet, um Arbeitskräfte für die schnell wachsenden Chemieunternehmen in Buna und Leuna unterzubringen, hatte eben, was keine Stadt sonst hatte, abgesehen von New York. Keine Straßennamen, jedenfalls beinahe. Dafür aber ein System von Blocknummern, das sich Besuchern nicht erschloss, Einwohnern aber auch ohne tieferes Verständnis der zugrundeliegenden Systematik eine Orientierung zwischen Häuser, Blocks und Wohnkomplexen erlaubte.

Wer längere Zeit hier zubrachte, wusste automatisch, wie das vermeintliche Zahlenchaos zu ordnen war. Vom Stadtzentrum aus wurden die Zahlen im Uhrzeigersinn vergeben, allerdings entsprachen die Nummern der Wohnkomplexe den Blocknummern damit nun ausgerechnet nie, weil die Stadtviertel ihre Nummern nach dem Datum der Fertigstellung erhalten hatten. Das 1. WK bekam Blocknummern von 600 aufwärts, das 8. WK hatte die 300er Blocks und das 6. alle von 900 an. Wenig zur Klarheit trug bei, dass die Zehnerstelle in jeder Blocknummer sich auf die Entfernung von einem gedachten Schnittpunkt zwischen zentraler Magistrale-Straße und S-Bahntrasse in der Stadtmitte bezog. Und das auch noch nur theoretisch, weil ein Teil der Blocks dann doch eher nach dem Datum der Fertigstellung nummeriert worden war.

Weg mit der Vergangenheit

Höchst unverständlich, aber hochmodern. Richard Paulick, als Chefarchitekt der Chemiearbeiterstadt Vater der Gesamtplanes des entscheidenden Schrittes der Stadt Halle „in das sozialistische Jahrtausend“, wie es eine Schrift vom Anfang der 60er Jahre nannte, wollte mehr als nur eine neue Stadt bauen. Halle-Neustadt war der Versuch, mit dem Städtebau der Vergangenheit zu brechen. 

Statt in engen Innenstadtquartieren mit Hinterhof und einem Klo halbe Treppe sollte der neue Mensch in breiten Straßen gehen, hinter lichten Fenstern leben, mit Balkonen und warmem Wasser aus der Wand. Das Zeitalter der Kybernetik war angebrochen. Die Idee, ein moderne Stadt zu errichten, die industriell gebaut wird, aber in der Lage ist, die „pulsierenden Kräfte breiter Massen zusammenzufassen und ihnen eine Richtung zu geben“, wie der französische Architekturerneuerer Le Corbusier schon in den 20er Jahre geträumt hatte, sie schien in einem kühnen Experiment realisierbar.

Ostdeutscher Sonderfall

Wolfgang Kirchner, der damals als junger Ingenieur das Plattenwerk mit aufbaute, das über ein Vierteljahrhundert Tausende Wände und Bodenplatten für die einzige deutsche Stadtneugründung des 20. Jahrhunderts lieferte, betrachtet „HaNeu“, wie es später zumindest in den DDR-Medien oft genannt wurde, nicht als ostdeutschen Sonderfall. Vorbilder habe es in der Bundesrepublik und in Schweden gegeben. 

„Industrielles Bauen versprach warme, bequeme und bezahlbare Wohnungen für alle“, sagt er. In seiner Fantasie habe er zwischen den weißen Blöcken von Anfang an Bäume gesehen, 30 Jahre alt und leuchtend grün, erinnert sich Kirchner. „Wenn man sich Parks zwischen die Häuser gedacht hat, war das alles richtig schön.“

Für die, die in den Blöcken und den weiten Hinterhöfen aufwuchsen, sowieso. Kaum einer aus der zwischen 1970 und 1990 geborenen Generation der Neustadt-Kinder hätte das Prinzip der Blocknummerierung korrekt erklären können. Wie in anderen Städten die Straßen eben irgendwie hießen, hießen sie hier eben irgendwie nicht. Dafür trugen sie ja ihre Nummern.

Die Stadt der Zukunft


Halle-Neustadt sollte eine Stadt der Zukunft sein, ein Heim für den neuen Menschen, so hatten es ihre Erbauer geplant. Neustadt hatte immerhin schon eine neue Sprache: „Maggi“ war die Magistrale, „Koofi“ war die Kaufhalle, „Kiga“ der Kindergarten. In Neustadt lebten schließlich die Sieger der  künftigen Geschichte, Familien mit Telefonanschlüssen, warmes Wasser aus dem hahn, Heizungen, die sich nicht ausdrehen ließen. Glückliche, die von den Errungenschaften einer Zeit profitierten, an deren Ende das Ende aller Ausbeutung stehen würde.

Dieses Ende kam so wenig wie aus Neustadt noch eine wirkliche Stadt wurde. Ausgerechnet in ihrem größten Bauprojekt ging die DDR am schnellsten und gründlichsten zugrunde: Noch vor dem Beitritt des Arbeiter- und Bauernstaates zur Bundesrepublik votierten die Halle-Neustädter später für einen Beitritt zur Stadt Halle. 

Niemals ein Krankenhaus

Folgen eines Projekts, das Stadt hatte werden wollen, aber ein Stadt baute, der manches fehlte, was jede Stadt hat: Die Geburtsurkunden der Kinder von Halle-Neustadt waren allesamt von Anfang an falsch. Gut, die Namen stimmten, die Geburtszeiten sicher auch. Nur als Geburtsort steht da immer Halle, manchmal auch Zeitz und Merseburg und sicher noch andere Städte. 

Nie aber Halle-Neustadt, nicht einmal in den zwei Jahrzehnten, in denen die Söhne und Töchter der Bewohner der sozialistischen Chemiearbeiterstadt zur Welt kamen. Sie alle wuchsen auf als Kinder einer Stadt, die vielleicht als einzige weltweit keine Kinder hat, weil sie in ihren besten Tagen zwar beinahe hunderttausend Einwohner besaß, aber nie ein eigenes Krankenhaus.

Ein logisches System

Wer sich tatsächlich schwer tat mit dem vermeintlich logisch aufgebauten System, das sich im Grunde genommen an das der DDR-weit vergebenen Postleitzahlen anlehnte, war die Deutsche Post der DDR. Vor allem am Anfang, als die Blocknummernvergabe mehrfach korrigiert und geändert wurde, weil sie „EDV-gerecht nicht zu erfassen waren“, wie es in einem Brief des Stadtbaudirektors an das Hauptpostamt von 1975 heißt. Zusteller standen vor Rätseln, weil eine neue Zahl an einem Block keinen Hinweis darauf lieferte, unter welchem Namen das Gebäude zuher geführt worden war.

Wie Unterlagen verraten, die im halleschen Stadtarchiv liegen, blieb die in der westdeutschen Quadratestadt Mannheim bereits Ende des 17. Jahrhunderte eingeführte Nummerierung auch für die Neustädter Stadtverwaltung über ein Vierteljahrhundert hinweg ein Problem. Die Vorstellung der Planer um Paulick, dass der Arbeiter der Zukunft keine altertümlichen Straßennamen mehr brauche, galt weiterhin als gut. Doch die Umsetzung krankte daran, dass viele Blocks ihre Zahl nirgendwo deutlich sichtbar zeigten.

"Einheit von Leben und Wohnen"

Die „Einheit des gesellschaftlichen Lebens und Wohnens“, die das SED-Politbüro mit seinem Baubeschluss im Jahr 1963 beschworen hatte, drohte in der Praxis an ein paar Schildern zu scheitern. Und das trotz der „bildkünstlerischen Mittel“, die als Plastiken, Wandmalereien und Brunnen zwischen die Fünfgeschosser und Hochhäuser gesetzt worden waren, um keine Monotonie aufkommen zu lassen.

Schon 1973 erging vom Stadtbauamt deshalb ein erster Auftrag zur Erarbeitung eines „Orientierungssystems“ an das Büro für Städtebau und Architektur. Halle-Neustadts Wohnkomplexe, weniger der vom Schriftsteller Jan Koplowitz in einer Großreportage gerühmte „Aufbruch in das Wohnen von Morgen“ als eine Bienenwabe aus Betonfertigteilen, die mit Wohngebietskneipen, Arztblock, Kaufhalle und Schule dörfliche Strukturen nachbildete, sollten sich Besuchern und Einheimischen besser zu erkennen geben. 

Fremde scheitern zuverlässig

Größere „Blockkennzeichnungsnummern“, standardisiert an stets derselben Stelle angebracht, dazu ein neues „Bezeichnungs- und Informationssystem“, das 1977 in Auftrag gegeben wurde, wecken Hoffnung darauf, die Verwirrung auswärtiger Besucher zu beseitigen.

Eine weitere Täuschung. Anwohner kamen gut klar, je länger sie in Neustadt wohnten, desto besser. Fremde aber scheiterten zuverlässig. 1982 wurde mit „Blockkennzahlen“ nachgearbeitet, die wegen fehlender Produktionskapazitäten von einer Feierabendbrigade hergestellt werden mussten. Um zu verhindern, dass sich Kinder verliefen, die noch keine Zahlen lesen konnten, verpflichteten die Stadtplaner schließlich sogar zwei Gebrauchsgrafiker, die auf Bürgerwunsch, wie es im Briefverkehr der Behörden heißt, „Wohngebietssymbole zur weiteren Kenntlichmachung der Standorte der Wohnblocks“ in Form von Baummotiven entwarfen, die Müllhäuschen angebracht wurden.

So passten sich die kühnen Träume vom neuen Wohnen kleinteilig an die Möglichkeiten an. Paulicks erträumte „Zweckform von Technik und Industrie“ aus Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Kinderzimmer und Küche mit Durchreiche auf 52 Quadratmetern musste in zähen Kämpfen alltagstauglich gemacht werden. 

Plaketten aus Buna-Plastik

Ein erster Versuch mit Plaketten aus Buna-Plastik scheitert, weil das Material sich im Sommer verzog. Der zweite Anlauf glückte: Mit Schablonen wurden nun Symbole aufgemalt. Doch als nachgestrichen werden sollte, weil die Farbe schnell verblasste, waren die Pappvorlagen nicht mehr brauchbar - aus „Schuhsohlengummi“, so ein zeitgenössischer Bericht, mussten neue gefertigt werden.

Kurz vor dem Ende der DDR und dem Ende von Halle-Neustadt als eigener Stadt tauchen in den archivierten städtischen Unterlagen dann Überlegungen auf, der sozialistischen Chemiearbeiterstadt doch wieder Straßennamen zu geben. In langen Listen sind Bezeichnungen wie „Georgi-Dimitroff-Straße“, „Straße der Jugend“, „Wilhelm-Pieck-Ring“ und „Leninstraße“ aufgeführt, die auf Tauglichkeit geprüft, dann doch nicht mehr vergeben wurden.

Erst Anfang 1992, Halle-Neustadt war nach einer Bürgerbefragung bereits zu einem Stadtteil von Halle geworden, verschwanden die Blocknummern auf Beschluss des neugewählten Stadtrates. Sie wurden abgelöst von Dichter- und Blumennamen. Doch wer 30 Jahre später in Halle-Neustadt nach einer Adresse fragt und an einen älteren Einwohner gerät, muss bis heute mit einer Gegenfrage rechnen: Und welche Blocknummer war das?


Samstag, 8. März 2025

Wolfgang Schnur: Das letzte Interview



Wolfgang Schnur redet gern. Aber er kann auch schweigen. Zumindest diesen einen, kleinen Moment lang, der sich in seinem Berliner Kellerbüro dehnt und dehnt und dehnt, während Wolfgang Schnur mit gesenktem Blick die Auslegware vermisst. Sekundenlang ist er wie gelähmt, schutzlos, stumm und ganz er selbst. Dann aber flackern die wasserblauen Augen wieder, die Arme heben sich, und Schnur schaltet den Wortwerfer an: "Meine Lebensgefährtin hat es nicht mehr ertragen, ihr wurde das zu viel, und so bin ich nun ein Einzelkämpfer."

Eine Rolle, die dem Mann, der beinahe letzter Ministerpräsident der DDR geworden wäre, nicht schlecht gefällt. Dass er ganz oben war und dann abgestürzt ist, tiefer als irgendwer sich vorstellen kann; dass er die Macht verloren hat und den Beruf, sein Vermögen und das schmucke Haus in Hessenwinkel; dass alle Freunde ihm gekündigt haben und sein Ruf ruiniert ist, reichte wohl noch nicht, vermutet der Mann mit dem graumelierten Räuberbart. Schnur gefällt sich im Schmerz. "Ich muss den Kelch ganz austrinken, bis auf den letzten Tropfen." 

Doch Schnur, Ex-Gleisbauer, Ex-Rechtsanwalt, Ex-Parteigründer, Ex-Anwärter auf den Posten des DDR-Ministerpräsidenten und Ex-Stasi-IM, schluckt schwer an der bitteren Brühe, die er sich selber angerührt hat. Aus den höchsten Höhen der Politik, kurz davor, letzter Ministerpräsident der DDR zu werden, ist der Jurist, vermeintliche Bürgerrechtler und Politiker abgestürzt. 

Zehn Jahre später spricht er ausführlich darüber, über sein Leben, seine Sicht der Ereignisse und das, was bleibt. Ihm selbst noch 15 Jahre, die er weit abseits der Öffentlichkeit verbrachte. 

Frage: Lassen Sie uns von vorn beginnen. Kurz vor Ihrem Ziel, die letzte Volkskammerwahl in der DDR zu gewinnen und Ministerpräsident zu werden, sind Sie aufgeflogen. Sie waren Stasi-IM, über viele, viele Jahre. Haben Sie denn wirklich gedacht, dass das nicht herauskommt?

Schnur: Mhm. Ich weiß es nicht. Vielleicht liegt es daran, dass man persönlich diesen Teil einfach ausgeblendet hat. Ich gehörte ja nicht zu denen, die dafür gesorgt haben, dass meine Akten verschwinden. Ich bin sicher, wenn ich das gewollt hätte, hätte ich Möglichkeiten gehabt. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Sekunde daran gedacht, überhaupt auf die Idee zu kommen.

Frage: Dass da mal jemand kommt und Ihnen das vorhält?

Ach, wissen Sie, ich weiß das gar nicht genau, was ich dachte. Aber ich glaube, es war eine Art eigene Blindheit. Ich hatte nur ein Ziel – das habe ich immer gesagt: Wenn ich die Möglichkeit habe, frei politische Verantwortung zu übernehmen, dann mache ich das ohne Wenn und Aber. Und genau das habe ich getan. Das steht zweifelsfrei fest. Ich gehe auch davon aus, dass mit mir wesentliche Dinge in Gang gesetzt wurden – vielleicht nicht der erste Schritt zur Währungsunion, aber sicherlich andere wichtige Entwicklungen. Die Allianz für Deutschland war ein entscheidender Faktor, das muss man nennen. Ich glaube, die Markierungspunkte für die Einheit Deutschlands – nicht nur die formale Einigung – wurden auch durch die Person Helmut Kohl verkörpert. Durch ihn ist vieles zusammengekommen. Das wird oft übersehen. Aber ich war ja derjenige, der für den Demokratischen Aufbruch in einer schwierigen Anfechtungsphase stand. Damals habe ich klare Positionen bezogen. Das führte etwa dazu, dass Pfarrer Schorlemmer sich zurückzog und mir  Vorwürfe von Rechtslastigkeit gemacht wurden. Man muss das nüchtern betrachten: Nachdem es kein einheitliches Wahlbündnis gab, haben sich die neuen Kräfte nicht zusammengeschlossen. Jeder wollte seine eigene Geschichte schreiben, jeder glaubte, er würde siegen. Das war dann nicht mehr diese gemeinsame Euphorie. Es hatte viel mit Macht zu tun – das muss man klar sagen. 

Frage: Sie meinen, Sie haben sich bemüht, ein Wahlbündnis zu schaffen?

Schnur: Ja, genau. Für den Demokratischen Aufbruch kann ich sagen: Wir haben lange versucht, die neuen Kräfte zusammenzubringen. Ich glaube, das scheiterte letztlich an der damaligen SPD. Die hatte mit 75 bis 80 Prozent in den Befragungen so ein Gewicht, dass sie nicht teilen wollte. Dann fielen bei mir politische Entscheidungen: Ich sagte, gut, dann wenden wir uns der CDU zu. Das passte von der Programmatik und meiner eigenen Einstellung her. Für uns im Osten war das alles völlig neu, aber ich habe mich schnell zurechtgefunden. Man musste Allianzen schmieden – nicht nur die Allianz für Deutschland, sondern persönliche Allianzen. Die richtigen Leute an die richtigen Stellen setzen. Wir waren Lehrlinge in diesem Geschäft, und das zeigte sich auch in der Allianz für Deutschland: Es gab Eitelkeiten. Nicht nur die Frage, wer besser mit Helmut Kohl kann, sondern wer sich durchsetzt. Ich bekenne mich dazu: Der Auftritt in Halle mit meiner großen Rede und der Ankündigung, hier stehe der nächste Ministerpräsident, das war ein wichtiger Ausgangspunkt, wo ich meine Ziele manifestiert habe. Ich sagte immer, ich will Ministerpräsident werden – das habe ich in dieser historischen Stunde gesehen.

Frage: Stehen Sie dazu auch heute noch?

Schnur: Ja, absolut. Wenn man ein politisches Amt ausübt, muss man den Menschen sagen, was man will. Die Wähler sollten wissen, woran sie sind. Allerdings fehlten uns damals viele Beurteilungsfähigkeiten. Wir dachten, die wirtschaftliche Lage der DDR sei nicht so marode, wie sie dargestellt wurde – oder wie sie sich später herausstellte. Ich glaube, der Demokratische Aufbruch hatte ein Wahlprogramm, das einem Marshallplan für die DDR entsprochen hätte. Ehrlich gesagt bedauere ich, dass ich daran nicht stärker beteiligt war. Mit meinen Kontakten zur Wirtschaft hätte ich das vielleicht voranbringen können.

Frage: Haben Sie das damals beobachtet, oder saß der Schock danach so tief?

Schnur: Ich könnte mir vorstellen, dass andere sich zurückziehen und konsterniert sind, wenn so etwas passiert. Aber ich muss sagen: Erstens war ich über ein Jahr lang krank. Ich bin an der ganzen Situation zusammengebrochen – Herzinfarkt oder nicht, es war pure Erschöpfung. Ich hatte mich nie geschont. Von einer Veranstaltung zur nächsten, immer unterwegs. Dabei habe ich Menschen kennengelernt, die jahrzehntelang im Stillen für andere da waren. Meine Haftbesuche waren keine großen öffentlichen Aktionen. Vielleicht kam mal ein Prozess in die Öffentlichkeit, aber meist durch den Westen. Stille Diplomatie war oft notwendig. Ich habe neulich Zeitungsartikel gefunden, die belegen, dass ich etwa 30.000 Menschen in den Westen gebracht habe, ohne dass sie die Qual einer Inhaftierung durchmachen mussten. Es setzt bitter an, wenn mir dann die Anwaltszulassung wegen angeblicher Verletzung von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit entzogen wird. Für mich stellt sich die Frage: Was war wichtiger – Menschen davor zu bewahren, zugrunde zu gehen, oder sie vor Haft zu schützen? Für mich ist das eine klare Sache.

Frage: Würden Sie sagen, diese Kontakte waren damals ein Mittel, um Verbündete zu gewinnen?

Schnur: Ich bin freiwillig meine Verbindung zur Staatssicherheit eingegangen. Es war eine bewusste Entscheidung.

Frage: Aber Sie haben mal gesagt, Sie seien sehr jung gewesen...

Schnur: Ja, sehr jung. Aber das hatte einen anderen Hintergrund. Ich wuchs als Vollwaise in der DDR auf. Mit 16 fand ein Kinderarzt, ein Freund meines Vaters, heraus, dass meine leibliche Mutter noch lebt – im Westen der Bundesrepublik. Das war ein Schock: Mein ganzes Leben hätte anders sein können! Ich hatte eine starke Bindung zu meinen Pflegeeltern, aber der plötzliche Tod meines Pflegevaters war ein Bruch. Meine Pflegeeltern waren ehrlich: „Dass du bei uns bist, ist eine Folge des Krieges.“ Ich erlebte am eigenen Leib, was Krieg anrichtet. Aber da war die Sehnsucht, meine leibliche Mutter kennenzulernen, war da, aber ich dachte: Sie hätte ja kommen können, es war ihr nicht verwehrt. Kurz vor dem 13. August 1961 ging ich über Westberlin zu ihr. Dann wurde ich krank und blieb bis Oktober 1962 dort. Plötzlich hatte ich das Bildungssystem der BRD vor mir. In der zehnten Klasse nannte ich meinen Geschichtslehrer einen Nazi, weil er die Geschichte anders darstellte als in der DDR. Das führte zu Konflikten. Letztlich landete ich wieder in einem Heim im Westen. Meine Mutter hatte Angst, die Spannung war zu groß. Ich war für sie ein wandelnder Vorwurf, auch wenn ich das nicht wollte. Erst 1993, an ihrem Sterbebett, kam es zur Versöhnung. Sie konnte mir nicht sagen, dass sie mich liebt, aber sie tat viel für meine Kinder. Später erfuhr ich, dass sie Jüdin war – das war bitter. Sie muss Qualvolles durchgemacht haben. Dieser Spannungsbogen trieb mich damals jedenfalls zurück in die DDR. Dort wurde ich kontrolliert, musste mich bewähren und landete im Gleisbau. Aber das war für mich eine tolle Zeit: Ich war wissbegierig, las viel, zeigte politisches Interesse. In der Pionierorganisation und FDJ war ich immer vorne dabei. Ich vermute, das hat tiefe Wurzeln in meiner jüdischen Herkunft. 

Frage: Werfen Sie sich heute Fehler vor?

Schnur: Über die Jahre mit dem Ministerium für Staatssicherheit kann ich nicht sagen, dass alles fehlerfrei war. Das wäre naiv. Ich erkenne heute, dass meine Tätigkeit auch missbraucht wurde – das kann ich nicht wegdiskutieren. Deshalb stehe ich dazu. Wenn ich mich zum Grundgesetz der Bundesrepublik bekenne, ist das eine klare Entscheidung. Dann sollten andere darüber urteilen – vor allem die Wähler, wenn ich mich zur Wahl stellte. Ich finde es fatal, dass führende Funktionäre des ZK und Politbüros anders behandelt wurden als Menschen wie ich oder andere, die nur ein kleiner Teil des Systems waren, ohne Machtentscheidungen zu treffen. Wir haben in dieser Diktatur gelebt, die heute fast verleugnet wird.

Frage: Wie sehen Sie das?

Schnur: Wenn man jemanden wie mich in die IM-Situation stellt, frage ich: Wer hatte damals den Lösungsweg? Wie kommt man in den Westen, ohne kriminalisiert zu werden? Ohne die Staatssicherheit war das kaum möglich. Man musste jemanden mies machen, um ihn rauszubringen. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass das MfS durch mich Informationen über kirchliche Begegnungen bekam. Deshalb sage ich: Man muss sich zur persönlichen Schuld und Verantwortung bekennen. Ich stelle mich jedem fairen Verfahren. Es wurde ja auch eines geführt – rechtskräftig, nicht wegen politischer Verfolgung, sondern nach dem Strafgesetzbuch der Bundesrepublik. Fatal finde ich, dass Originalunterlagen, die mich hätten entlasten können, nicht beigezogen wurden. Ich wurde verurteilt, habe die Bewährungsstrafe verbüßt und muss das akzeptieren. Aber die Bitterkeit über den Entzug meiner Anwaltszulassung bleibt. Das führt zu inneren Spannungen und Kämpfen. Dennoch darf ich nicht so anfangen wie früher und sagen: „Das war alles nicht so, ich wurde gezwungen.“ Das wäre Unsinn. Sehen Sie Joschka Fischer, der für sich in Anspruch nimmt, mit seiner Vergangenheit gebrochen zu haben. Wenn man sich zu seiner Sache bekennt, sollte die andere Seite Respekt zeigen und nicht das Unmenschliche herausstellen. Aber es wird eben weiter mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen.

Frage: Ihre Akten sind also ein Beweis?

Schnur: Ja, ich bin froh, dass sie existieren. Sie dokumentieren die komplizierte politische Situation in der DDR. Besonders ab 1975 wurde meine Zusammenarbeit mit dem MfS intensiver – etwa nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann 1976. Da stand ich vor der Frage: Gehe ich diesen Weg weiter? Ich traf Menschen mit anderen politischen Auffassungen – Brandt-Anhänger, die einen sozialdemokratischen Sozialismus wollten, eine bessere DDR. Ich fragte mich: Wenn ich jetzt aussteige, verliere ich vielleicht meine Anwaltszulassung. Das war eine reale Angst. Ursprünglich wollte ich gar kein Jurist werden, sondern in die politische Laufbahn – Nachfolger von Egon Krenz, wenn man so will. Aber das Schicksal kam dazwischen: Meine Mutter lebte plötzlich in der BRD, und ich erfüllte die Nomenklatur nicht mehr. Das war ein klarer Bruch in meinem Lebensplan, in der DDR Politik auf höchster Ebene zu machen. Ich glaubte damals an den Frieden – beeinflusst durch meine persönliche Situation, den Verlust meiner Eltern, meinen Status als Vollwaise. Meine Lehrer zwischen der sechsten und achten Klasse förderten meine Gaben. Ich legte mich mit dem Schulleiter an, weil er keine angemessene Rede zum 8. Mai hielt, dem Tag der Befreiung. Das prägte mich. Bis heute meine ich: Wir brauchen Menschen, die sich für die Gesellschaft verantwortlich fühlen, Abgeordnete werden, Ziele setzen. In der DDR wurde ich systembedingt zu einem Werkzeug – das will ich nicht übersehen.

Frage: Haben Sie in den 60ern oder frühen 70ern gedacht, Sie benutzen die Staatssicherheit? Oder merkten Sie, dass sie Sie benutzen?


Schnur: Damals hatte ich den Irrglauben, ich würde sie brauchen. Die Beweise zeigen: Durch meine Tätigkeit kamen Menschen nicht zu Schaden, wurden nicht inhaftiert. Das ist ein Ergebnis. Aber heute sehe ich: Es war ein fataler Irrtum, zu glauben, ich hätte sie benutzt. Sie haben mich gebraucht – und auch die evangelische Kirche der DDR brauchte mich. Durch meine pazifistische Haltung lehnte ich Gewalt ab. Ich wollte keine Inhaftierungen, sah auch die Volkspolizisten als Menschen unseres Staates. Deshalb reiste ich durchs Land, hielt Vorträge – mir gehörte die ganze DDR. Denken Sie an Lothar Rochau in Halle-Neustadt, eine wichtige Figur. Vor 2.000 jungen Menschen sprach ich in der offenen Jugendarbeit – man hörte die Stecknadel fallen. Mein Charisma trug dazu bei, jede Konfrontation mit dem Staat zu vermeiden, die zu Inhaftierungen oder Nachteilen führen könnte. Ich wollte, dass die Bürger ihre Rechte nach der Verfassung nutzen.

Frage: Sie sagten, die Diktatur werde inzwischen geleugnet. Was meinten Sie damit?

Schnur: Ja, in der historischen Betrachtung der DDR wird das für mich verleugnet. Die Verfassung legte klar fest, dass die SED die Macht hatte – eine Diktatur. Das war mein Ausgangspunkt in Vorträgen, dokumentiert auf Tonbändern in kirchlichen Stellen. Es ging darum: Wie können wir Bürgerrechte wahrnehmen? Wie ermutigen wir die Menschen? Die Kirche wollte, dass die Leute in der DDR bleiben – dafür mussten wir sie stärken, etwa Eltern in Schulfragen oder bei der vormilitärischen Ausbildung. 1978 stieg ich intensiv in die Wehrdienstverweigerung ein – ein Thema, das mich vorher nicht beschäftigte. Junge Christen, Pazifisten oder politische Ausreisewillige kamen auf mich zu. Ich kämpfte gegen das MfS: „Ihr sperrt junge Menschen ein, die Minister werden könnten!“ Im November 1985 gelang es – keiner meiner Wehrdienstverweigerer oder Bausoldaten wurde mehr inhaftiert, selbst wenn sie sich erst kurz vor der Einberufung erklärten. Das war ein politischer Sieg, auch weil die DDR es sich nicht mehr leisten konnte, anders zu handeln. 

Frage: Sie verteidigen sich also damit, dass Sie viel Gutes bewirkt haben...

Schnur: Ich bin froh, dass meine Akten da sind. Sie belegen, wie ich etwa in Güstrow Wehrdienstberatungen abhielt. Die Teilnehmer meldeten den Wehrkreiskommandos ihre Haltung – wenn das nicht geschah, sagte ich: „Geht hin, erklärt es.“ So wurde mancher Einberufungsbefehl zurückgenommen. Bis zum Ende der DDR wurde kein Wehrdienstverweigerer mehr inhaftiert – das ist aktenkundig. Das MfS war bis zuletzt misstrauisch gegen mich. Ich hatte eine Autorität erreicht, die sie störte. Sie wollten keine Konfrontation zwischen Staat und Kirche – für die SED war die Kirche außenpolitisch wichtig, nicht innenpolitisch. 


Jedes politische Verfahren brachte der DDR Minuspunkte. Sie mussten meine Arbeit dulden, weil der Gewinn größer war. Ein Beispiel: Als junge Leute der Umweltbibliothek in Berlin inhaftiert wurden, übernahm ich ihre Verteidigung. Es gab ein Hin und Her – Hardliner wollten sie drinnen behalten. Bei einer kirchlichen Veranstaltung erklärte ich: „Die Generalstaatsanwaltschaft lässt das Verfahren fallen.“ Das hätte schiefgehen können, aber in dieser Umbruchsituation klappte es – sie kamen frei. Ähnlich war es bei den Rosa-Luxemburg-Demonstrationen im Januar 1988. Da gab es koordiniertes Zusammenwirken zwischen Bundesregierung, Kirche und MfS. Ich sagte: „Ihr macht ein Eigentor.“ Das führte zu politischen Lösungen, wie der England-Variante, nach der die Betroffenen ausreisten, aber nicht für immer und nicht nach Westdeutschland. Das MfS ärgerte sich, wenn ich ihre Ergebnisse anzweifelte. Ich sagte: „Wenn ich überzeugt bin, dass etwas nicht stimmt, lasse ich mir nichts anderes einreden.“ Das ließ mich glauben, ich benutze sie – heute sehe ich klar: Sie haben mich missbraucht. Ich würde nie zögern, es zuzugeben, falls jemand durch meine Informationen inhaftiert wurde. Aber selbst Rainer Eppelmann schreibt in seinem Buch, dass ich mit allen Mitteln dafür kämpfte, Menschen vor dem Einsperren zu bewahren. 

Frage: Manche, die Sie halfen, fühlen sich heute trotzdem von Ihnen verraten.

Schnur: Das muss man mit Verständnis sehen. Bei Freya Klirr und Stefan Krawczyk differenziere ich: Krawczyk wusste 1988, worum es ging – er wollte seine Frau schützen, was ich respektierte. Ich wollte, dass sie das Land verlassen, weil es keine andere Lösung gab. Niemand dachte damals an die deutsche Einheit. Die Bedingungen damals muss man betrachten. Ich bedauere, dass die Originalakten der beiden in meinem Verfahren nicht einbezogen wurden – sie beweisen, dass nicht ich ihre Ausreise bewirkte, sondern Professor Vogel im Beisein von Bischof Forke. Das Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen kann das bestätigen – Frau Williams sagte mir: „Sichern Sie allen, die in den Westen wollen, unsere Hilfe zu.“ In Friedrichsfelde 1988 war die Situation heikel: Antragsteller wollten zu Vogels Büro, umzingelt von Polizei. Ich sagte: „Seid ihr wahnsinnig? Das eskaliert!“ Mit Stolpe nahm ich Listen auf – im Konsistorium wurden sie geschrieben und die Leute in den Westen geleitet.

Frage: Mussten Sie der Stasi immer erklären, was Sie tun, damit sie Sie weitermachen lassen?

Schnur: Ich hatte ein freundschaftliches Verhältnis zu meinem Führungsoffizier in Berlin – ein Vertrauen war gewachsen. Er wollte keinen Konflikt zwischen Staat und Kirche, keine Gewalt. Er sagte: „Wenn du dich für uns einsetzt, finden wir Lösungen.“ Bis September 1987 funktionierte das. Dann änderte sich die innenpolitische Lage, und ich vertraute ihm zu lange. Nach den Kommunalwahlen 1989 sagte ich: „Jetzt muss sich etwas ändern.“ Aber niemand dachte damals an ein einheitliches Deutschland – die Zwei-Staaten-Lage war fest in uns verankert. Das trieb mich, eine politische Formation zu unterstützen. Im Sommer sagte ich bei einem Treffen: „Wenn ich frei politisch wirken kann, mache ich das.“ Das MfS wusste davon – es steht in meinen Akten. Sie wollten mich davon abhalten, eine Führungsposition einzunehmen. Doch die Ereignisse überrollten das – etwa als im September 1989 junge Menschen in Leipzig inhaftiert wurden. Ich kämpfte: „Ihr habt nichts Unrechtes getan, wir ziehen das durch.“ Sie kamen frei. Die Bahnhofsgewalt in Dresden, die Ablösung Honeckers – das zeigt: Ich wollte keine Schuld mindern, sondern fand es absurd, dass Menschen, die legal in den Westen wollten, angeklagt wurden. Ich setzte mich ein, dass das nicht geschah.

Frage: Geben Sie sich selbst die Schuld, dass es so kam?

Schnur: Hätte ich früher den Schritt machen sollen und sagen, wie es war. Aber damals konnte ich das nicht. Anfang März 1990 zog ich die Konsequenz, um ein politisches Desaster zu verhindern. Es war meine Entscheidung – auch, weil eine Lebenslüge wegbrach. Ich dachte nur an mein Ziel: den Wahltag, den Höhepunkt. Hätte ich in Berlin gesagt: „Macht meine Akten weg“? Nein, ich war so beseelt von dem, was ich tat – vom stillen Kampf im Gerichtssaal zur Rede vor Massen in Erfurt und Halle. Diese Euphorie packte mich. Ich merkte: Ich kann das. Ich habe das Positive meiner Arbeit stärker gesehen – was sollte mir schon passieren? Erst als die Akten in Rostock auftauchten, dachte ich an Rückzug. Ich wollte der Sache keinen weiteren Schaden zufügen.

Frage: Dachten Sie, das lässt sich wegdiskutieren?

Schnur: Nein, als die geballten Akten da waren, sah ich die Konsequenz. Bis dahin glaubte ich daran. Ich hinterlasse Eindruck, weil ich nie zweifele, wofür ich kämpfe. ich glaube wirklich, was ich tue. Aber Politik ist nüchterner, schärfer, manchmal makaber – das sehe ich heute. Ich würde morgen wieder Verantwortung übernehmen, ohne Wenn und Aber.

Frage: Was denken Sie heute über die DDR-Führung?

Schnur: Die hat der jungen Intelligenz keinen Weg geebnet. Honeckers Erfahrungen aus der Hitlerdiktatur prägten ein starres Feindbild – eine neue philosophische Betrachtung war ihnen nicht möglich. Die Dogmatiker an den Parteischulen hielten am Alten fest, selbst als Gorbatschow den Wandel versuchte. Warum die Jungen keinen Aufstand machten? Die Machtstrukturen waren zu fest. Ein Kartenhaus muss komplett fallen, nicht nur ein Teil. Wir Ostdeutschen haben den Nachteil: Wer sich zur Vergangenheit bekennt, wird geprügelt, während Leugner Vorteile genießen. Ich zweifle, ob wir das politische System der DDR wirklich aufgearbeitet haben.

Frage: Haben Sie nach Ihrem Rücktritt noch einmal mit Helmut Kohl gesprochen?

Schnur: Nein, gar nicht. Ich zog mich zurück. Er machte keine Hässlichkeiten, keine Vorwürfe. Er verstand, wie man zu so einer Biografie kommt, und bewahrte mich vor Vorwürfen. Ich habe nicht geheuchelt, sondern wie ein Wahnsinniger gearbeitet – von Veranstaltung zu Veranstaltung. Mit ihm hatte ich ein gutes politisches und menschliches Verhältnis. Die Allianz für Deutschland, die außenpolitischen Gespräche mit Genscher und der Sowjetunion – das war auch mein Verdienst.

Frage: War Ihre Wahl als Spitzenkanddiat ein taktischer Schachzug mit Kohl?

Schnur: Nein, gar nicht. Das war ein historischer Selbstlauf, getrieben von der Bürgerrechtsbewegung. Als es soweit war, war ich war machtgierig, blendete dmeine Geschichte aus. Hätte ich gesagt: „Ich habe zwei Gesichter, gebt mir eine Chance“, hätte mein Charisma vielleicht überzeugt. Aber so fragte man  mich nicht: „Erläutere uns das.“ Dabei zeigen die Akten zeigen alles. Es war ein Verdienst vieler, dass die DDR keinen Bürgerkrieg wie Jugoslawien erlebte. Das MfS wurde zahm – ein Beweis, dass Kräfte politische Veränderung ohne Gewalt wollten. Zu denen gehörte ich. Aber ich hätte früher mit dem System brechen sollen. 

Frage: Wie empfanden Sie mit dieser Erfahrung Kohls späteren eigenen Absturz nach so vielen Jahre, in denen er als Einheitskanzler und großer Staatsmann gewürdigt worden  war?

Schnur: Als Tragik. Ich kenne das selbst. Er war redlich, aufrichtig. Wir tragen alle ein anderes Ich in uns. Er wollte nichts Unrechtes, sondern das Beste fürs Land. Doch man übersieht eigene Fehler. Er war nicht bestechbar – da bin ich sicher. Seine Politik aus dem Bauch, besonders für Europa, war beeindruckend. Ich empfand es als schmerzlich, nicht mehr mitgestalten zu können – ich verlor viel. Ihm wird es ähnlich gegangen sein.

Frage: Wie haben Sie selbst ihren Fall verarbeitet?

Schnur: Es war ein Fegefeuer, aber ich bin bei Gott geblieben und habe gesagt: Wer weiß, wozu er mich braucht? Ich bekenne mich zum evangelischen Glauben. Mein Freund aus Israel ist Jude – durch Aufenthalte dort spüre ich eine Wurzel. Für mich ist Gott existenziell: Er holte mich aus Tiefen, dafür bin ich dankbar. Es gab Momente, wo ich sagte: „Es reicht.“ Besonders belastend war das für meine Familie. Doch ich glaube, Gott gibt mir Wegweisung. Ich arbeite jetzt viel in Thüringen mit meinem gemeinnützigen Verein und ich sehe, wie Menschen Hoffnungen mit mir verbinden – ohne Umschweife. In den letzten zehn Jahren überwiegt das Bekenntnis zu meiner Arbeit die Kriminalisierung. Die Kritik ist laut, weil sie Zugang zur Öffentlichmkeit hat. Joachim Gauck etwa will nicht einsehen, dass ich seinen Söhnen den Weg in den Westen ebnete – ohne Inhaftierung. Das war nur mit der Staatssicherheit möglich. Das Lob ist leise, aber ich bin es zufrieden.

Frage: Gibt Ihnen das Kraft, noch einmal zurückzukehren, wohin auch immer?

Schnur: Warum nicht? Ich denke politisch, lebe politisch. Ich würde zurückkehren, wenn ich wirtschaftlich unabhängig bin. Mein Haus soll zwangsversteigert werden, ich habe Schulden durch Fehlinvestitionen – weil ich Menschen vertraute. Aber das ist nicht mein Grundproblem. Es macht mich verantwortlich für die Nöte Arbeitsloser, Schwacher. Wir sind keine Gesellschaft für die Schwachen – die Starken haben Chancen. Ich sehe Potenzial für neue politische Verhältnisse. Das Parteienspektrum ist in alten Mustern gefangen, ohne Anstand im Umgang mit Gegnern.

Frage: Haben Sie Rechte am Demokratischen Aufbruch? Am Namen?

Schnur: Nein, ich glaube nicht. Aber ich denke darüber nach, eine neue Bürgerbewegung zu gründen – wo Kapital, Arbeit und Mensch in Verantwortung stehen. Deutschland hat Reichtum – wir könnten Arbeit schaffen, soziale Verantwortung wahrnehmen, Osteuropa stärken. Ich würde ein Parteiamt anstreben, aber erst muss ich meine Verhältnisse ordnen. Mein Hauptziel ist die Rückkehr meiner Anwaltszulassung – dazu müssen meine Schulden weg. Selbst dann wäre es schwer, denn ein Anwalt darf nicht in Vermögensverfall geraten. Meine juristische Arbeit in der DDR war top – das sagen Kollegen heute noch. Sie war ein Mittel, mit dem MfS Dinge anzugehen. Recht und Seelsorge hängen für mich zusammen – Menschen brauchen das heute mehr denn je. Ich hätte Zulauf, mit Leidenschaft als Jurist. Das ist ein Geschenk Gottes.

Frage: Hat Gott viel Mühe mit Ihnen?

Schnur: Ja, doch. Aber er war liebevoller zu mir als andere. Die Kirche hätte zehn Jahre später sagen können: „Er hat sich gewandelt.“ Stattdessen Blockaden. Sie weiß, wie kompliziert es war, Menschen in der DDR zu halten oder gehen zu lassen – etwa durch Grundstückskäufe oder Devisen. Sie hätte eine stärkere Rolle spielen sollen. Ich wollte, dass Menschen nicht zerbrechen, dass die DDR sozial gerechter wird. Eitelkeiten waren da, aber auch Ideale. Ohne Ideale kann man heute nicht politisch wirken. Die Verfasser des Grundgesetzes hatten Weitsicht – daran würde ich für eine neue Kraft anknüpfen. Menschenwürde umsetzen, nicht nur appellieren – das ist entscheidend.

Frage: Wie sah das im Alltag aus? Wie war Ihr Terminkalender in der DDR?

Schnur: Ich habe 16 bis 18 Stunden gearbeitet. Mir gehörte die DDR – das war mein Lebensgefühl. Ich fuhr zu allen Bezirksgerichten, von Meiningen bis Halle. Dort half ich Antragstellern, Inhaftierten. Für die war ich ein Lichtstrahl – jemand schrieb, ohne mich wäre er nicht mehr am Leben. Man kann mich Stasischwein nennen – mir ist wichtiger, dass meine Arbeit sich gelohnt hat. Die Sprache in den Protokollen war nicht meine – das MfS brauchte ihr Vokabular. Ich stellte Leute als Staatsfeinde dar, damit sie raus konnten. Je schlimmer, desto besser.

Frage: Wann sahen Sie Ihren Führungsoffizier zuletzt?

Schnur: Im Oktober oder November 1989. Ein Rostocker Offizier lieferte mich ans Messer – ich verstehe ihn. Es brachte ihn aus dem Konzept, dass ich die Macht ergreifen wollte. Verwunderlich, dass es so spät passierte. Ende 1989, Anfang 1990 wehrte ich mich noch. Erst als die Akten da waren, zog ich zurück.

Frage: Was sagt Ihre Familie heute zu all dem?

Schnur: Ich bin jetzt Einzelkämpfer. Meine Partnerschaft ist daran zerbrochen – ein schwerer Punkt. Meine erste Frau und Kinder waren genauso überrascht. Gespräche im Nachhinein? Ja und nein – es ist zu schwierig, auch durch das Zerrbild der Medien. Ich erkläre es ihnen, bekenne mich dazu. Meine Kinder spürten doch meine harte Arbeit – ich war immer unterwegs, um Menschen zu helfen. Öffentlich darüber zu reden zeigt, dass ich zu meiner Biografie stehe. Für mich selbst halte ich Biografisches fest – kein Buch, es hat noch keinen Titel. Vielleicht „Ich bin’s gewesen“, um dem Leugnen etwas entgegenzusetzen. Ich will Verständnis erlangen und verhindern, dass andere in solche Situationen kommen. Dich sache ist doch: Wie viele Menschen arbeiten heute ehrenamtlich für Verfassungsschutz oder BND? Sicherheit braucht das – aber macht das den Verrat kleiner?

Sonntag, 14. November 2021

Reise nach Sundevit: Stolpern durch die Sturmflut


Es ist das 30. Jahr nach der Wiedervereinigung, als uns ein bizarrer Plan einfällt: Seit Jahren hatten wir vor, auf dem Kolonnenweg an der ehemaligen Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten entlangzuwandern. Dieser sogenannte Kolonnenweg ist insgesamt 1.400 Kilometer lang, eine zweispurige Linie längs durchs Land. Dort suchen wir nach dem, was übriggeblieben ist nach drei Jahrzehnten Einheit, danach, was die Natur uns aus der Vergangenheit erzählt und was die Menschen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sagen.

Die Ostsee im Sonnenschein ist immer ein schöner Anblick, noch schöner aber ist er, wenn man weiß, dass man seinen elend schweren Rucksack bald zum letzten Mal abwerfen kann. Und dann erstmal nicht mehr aufbuckeln muss.   Bis dahin sind es noch ein paar Schritte, immer am Ufer entlang, denn auch am letzten Abend wollen wir am Strand zelten. Dafür ist diese Gegend ideal, denn außer Sand und Meer und Wind und ein paar wenigen Spaziergängern und Strandbesuchern, gibt es hier ja nichts. 


Oder doch, Überraschung: Auf einmal taucht ein Kiosk auf, der auf keiner Karte eingezeichnet ist! Das ist für uns wie ein Zeichen, dass wir hier in der Nähe der "Strandnixe" bleiben sollen. Einige andere haben sich das auch gedacht und einen naheliegenden Parkplatz zum halblegalen Campingplatz für ihre Wohnmobile umfunktioniert.  

Wir essen ein Fischbrötchen, packen ein paar Bier ein und gehen zum Strand hinunter, um einen Platz für unser Zelt zu suchen. Der Sandstreifen ist hier nicht sehr breit, die Steilküste dahinter dafür aber sicher fünfzehn Meter hoch. Es gibt nur einen einzigen Weg hinunter - der Grund dafür, das ahnen wir aber noch nicht, dass unsere ganze Wandertour in der nächsten Nacht beinahe noch in einer Katastrophe endet.   Aber das passiert erst ein paar Stunden später, erstmal freuen wir uns über die schönste Zeltnische aller Zeiten, versteckt hinter ein paar alten Bäumen und sogar mit Sitzmöglichkeiten und einem alten Baumstamm, der wie ein Tisch aussieht.


Verwundert merken wir am Nachmittag, dass die Ostsee wohl doch so etwas wie Flut kennt: Der Strand, auf dem wir eine Decke ausgebreitet haben, wird immer schmaler, das Wasser rückt uns immer näher. Doch bis zum Zelt sind es noch mindestens fünf Meter und obwohl der Wind immer mehr auffrischt und die Wellen höher werden, wird der Zeltplatz sicherlich trocken bleiben, da bin ich sehr sicher. Nur gegen den Wind wollen wir etwas tun, weil der erfahrungsgemäß im Zelt immer klingt wie ein Orkan, der gleich alles wegfegen wird. Wir spannen also eine Plane als Windschutz auf. Sofort wird es still. 

 Bis es mitten in der Nacht mächtig kracht. Die Plane hat sich losgerissen - und während ich versuche, sie festzubinden, stelle ich fest, dass vom Strand fast nichts mehr übrig ist. Drei Meter unterhalb der Zeltleine steht das Meer, kurze Zeit später ist es schon auf zwei Meter herangerückt. Nach hinten können wir nicht, das ist die Steilküste. Und zur Seite geht nur noch vielleicht, denn auf den 600 Metern bis zum Aufgang ist der Strand an den meisten Stellen nicht halb so breit wie hier. 


Es ist drei Uhr früh, als wir hastig alles zusammenpacken, Stirnlampen aufschnallen und flüchten. Nur die ersten paar Meter trockenen Fußes. Dann erwischt uns die erste Welle dessen, was der Wetterbericht am nächsten Tag eine Sturmflut nennen wird.   Es ist stockdunkel, man sieht die vielen gefallenen Bäume nicht und der steinige Untergrund macht das Gehen zu einer gefährlichen Sache. Dann endlich haben wir es geschafft. 


Nass, aber glücklich kommen wir an der Treppe nach oben an, die - das bemerken wir erst jetzt - auf ein Stück Weg führt, dessen Musterung uns sehr bekannt vorkommt. Es ist das letzte Stückchen Kolonnenweg aus Betonkeksen aus dem kalten Krieg.  

Dahinter liegt eine kleine Wiese, auf die wir unser Zelt stellen. Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne, die auch dringend gebraucht wird, um all die nassen Sachen zu trocknen. Unsere Wanderstiefel schafft sie nicht, die bleiben noch eine ganze Woche nass - wie als Erinnerung an eine unvergessliche Wandertour.

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Samstag, 5. Juni 2021

Vergessene Pfade: Wandern auf dem Mond


Es ist das 30. Jahr nach der Wiedervereinigung, als uns ein bizarrer Plan einfällt: Seit Jahren hatten wir vor, auf dem Kolonnenweg an der ehemaligen Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten entlangzuwandern. Dieser sogenannte Kolonnenweg ist insgesamt 1.400 Kilometer lang, eine zweispurige Linie längs durchs Land.


Dort suchen wir nach dem, was übriggeblieben ist nach drei Jahrzehnten Einheit, danach, was die Natur uns aus der Vergangenheit erzählt und was die Menschen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sagen.

Entlang des Kuhlrader Moores wandern wir auf vergessenen Wegen durch ehemalige Sperrgebiete. Noch eine Zone, aus der die Bewohner mit Gewalt und Drohungen vertrieben wurden, um die Grenze sicher zu machen. Wir laufen stundenlang und sehen keinen einzigen Menschen. Die 15 Kilometer nach Carlow, einem kleinen Dorf mit einer Kirche und einer winzigen Kneipe, wo wir hoffen, frisches Wasser zu bekommen, bestehen nur aus verwitterten Feldwegen und Maisfeldern. 


Die Einheimischen, die wir nicht sehen können, scheinen aber kluge Leute zu sein: Sie bremsen den gelegentlich wohl scharfen Westwind aus, indem sie Haselnusshecken entlang der Felder pflanzen, so dass wir unseren Weg wie in einem endlosen grünen Tunnel gehen.   Das ist schön, aber als wir Carlow erreichen, lösen sich alle unsere Hoffnungen in Wohlgefallen auf. Der Carlower Hof, das Gasthaus, in dem wir hofften, etwas zu essen und etwas zu trinken zu finden, ist geschlossen. Nicht wegen Corona und der Pandemie, nein. Der Wirt hat offenbar den Preis für den Niedergang der Grenzregion bezahlt. "Geschlossen seit Juli 2019" steht auf einem Schild im staubigen Fenster. 


Es ist gerade wieder ein sehr heißer Tag und unsere Wasserflaschen sind so leer wie die Straßen des Dorfes. Wir versuchen es in den halbwegs bewohnt wirkenden Häusern. Und wirklich - eine freundliche junge Frau hat Mitleid mit uns und füllt unsere Flaschen.   Aber die Probleme sind damit nicht am Ende. Wie immer hatten wir eigentlich geplant, abends außerhalb der Stadt nach einer schönen Wiese zu suchen, um unser Zelt aufzubauen. Aber hinter Carlow gibt es keinen solchen Ort. 


Wir gehen Kilometer für Kilometer, überall sind nur Pferde- oder Schafweiden hinter Zäunen, Maisfelder, die die Haselnusshecke erreichen, oder Waldstreifen mit dichtem Unterholz. Wir brauchen eigentlich nur ein paar Meter Platz, aber nicht einmal das existiert hier.   Wir sind verzweifelt, denn selbst die Wiese an einer alten Mühle, den wir auf der Karte gesehen hatten, entpuppt sich als Garten einer alten Frau, die hier ganz allein im Wald lebt. Sie schaut ängstlich über den Zaun, also stiefeln wir lieber schnell vorbei.


Erst ein paar weitere Kilometer weiter stranden wir in einem dunklen Wald, aus dem im Abendlicht eine kleine Lichtung unter einem alten Baum leuchtet. In der Nähe zerfällt eine Ruine, wie es scheint, einst ein Zollhaus, aber das ist alles. Keine anderen Häuser in Reichweite, keine Straßen, keine Nachbarn. Doch gerade als wir unsere köstliche Tomatensuppe mit frischem Carlow-Wasser kochen wollen, bellt ein Hund und Peter und seine Freundin Gabriele stehen vor unserem nicht ganz so legalen Campingplatz. 

Im ersten Moment befürchten wir, dass sie uns ihrem Dorf-Sheriff melden könnten, weil wir illegal campen. Aber die beiden sind sehr freundlich und freuen sich sogar ein wenig, zwei Wanderer zu treffen. "Hier ist nichts los", sagt Peter, "es gibt keine Kneipe und überhaupt nichts."   Wenn man hier etwas erleben wolle, müsse man mit seinem Hund rausgehen. "Aber normalerweise gibt es hier draußen auch nichts Besonderes." Wir sprechen über den Niedergang von fast allem von der Sekunde an, als alle glaubten, dass nach dem Ende der kommunistischen Ära endlich alles besser werden würde. Ist es besser? Ja, Peter schwört es. Aber gut? Nein, nein. Nicht einmal fast.


Je später am Abend, desto besser schmecken zumindest unsere privaten Wandercocktails. Dabei handelt es sich um eine hochgesunde Mischung aus Carlow-Wasser, Absolut-Wodka und Vitamintabletten mit Grapefruitgeschmack. Das ist zweifellos die beste Methode, ein geistiges Getränk dabeizuhaben, wenn das Gepäck mehr wiegt als man selbst.


Ein Viertel Literchen davon, und der warme Abend in der Einsamkeit zwischen dem kleinen Bach Maurine und dem Stover Mühlenbach ist noch mal doppelt so schön. Im Westen geht die Sonne unter, hinter dem Zelt weiden die Schafe und ein Himmel voller funkelnder Sterne hängt über uns. Prost! 
 

The first episode of our hike you can read here.This is the second one and here are thirdfour,fivesixseven, eightnine, ten11 and 12