Freitag, 9. Dezember 2016

Thälmann-Insel: Ein Stückchen deutsche Karibik


Fidel Castro ist tot und begraben, ein Mythos aber, der den Maximo Lider mit der früheren DDR verbindet, hält sich gnadenlos: Dass Kuba der DDR Anfang der 70er Jahre eine Insel geschenkt habe. Die, betrachte man es genauer, bis heute Deutschland gehöre.

Auf dem Bild vom Festakt, bei dem die DDR das Eiland geschenkt bekam, zeigt Erich Honecker dieses schmale Lächeln, das bei ihm von großer Freude kündete. Hinten an der Wand hängt Lenin, vor dem DDR-Staatschef wedelt Fidel Castro gerade mit dem Finger auf einer Karte herum. Da liegt sie, die Karibikinsel, die jetzt der DDR gehört! Es ist der 19. Juni 1972 und eben ist eine der schönsten Lügenstorys der Internetära geboren worden.

Zu verdanken ist das dem halleschen Maler Gabriel Machemer. Der stolperte eines Tages über die Geschichte der Verleihung des Namens "Ernst Thälmann" an die winzige Insel. Beim Internet-Lexikon Wikipedia verfasste Machemer daraufhin einen Eintrag dazu, in dem er Castros Erlass zur Namensvergabe zu einer Schenkungsurkunde erklärte. "Eine eigene Karibikinsel für die DDR?", fragte der Künstler.

Eine bezaubernde Idee, die Kreise zog. Bald diskutierte das Netz, ob Deutschland nun ein Stückchen eigene Karibik habe - schließlich müsse die Insel ja mit der Vereinigung Eigentum des größeren Deutschlands geworden sein. 2001 gründete sich dann sogar die Initiative Thälmann-Insel. Motto: "Wir wollen unsere Insel zurück". Zeitungen schrieben über die Gebietsansprüche Deutschlands an Kuba, Verschwörungstheoretiker raunten begeistert: "Wem gehört die Ernst-Thälmann-Insel?".

Das Auswärtige Amt musste reagieren. Bei der Widmung der Insel "handelte es sich um einen symbolischen Akt, der nichts mit Besitzverhältnissen zu tun hat", hieß es diplomatisch. Den Eifer der Inselfans vermochte das kaum zu bremsen: Immer wieder taucht die "DDR-Karibikinsel" seitdem aus dem Meldungsmeer auf. Selbst als sich der Urheber endlich zu seiner kleinen Geschichtsfälschung bekannt hatte, blieb die Umbenennung für viele eine "Schenkung".

So ist das im Netz. Einmal in der Welt, hält jede Lüge ewig.

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