Montag, 26. Oktober 2015

Neubau in China: Eine Chance für Magdeburg

In China wird ein Stückchen Hannover nachgebaut, weil es so schön ist. Andere Städte könnten nachziehen - darunter auch die Hauptstadt Sachsen-Anhalts.

Dass Chinesen süße Bratwurst essen, Fisch am Tisch kochen und bei Sonnenschein am liebsten mit Schirm und Handschuhen aus dem Haus gehen, kann man seltsam finden. Doch was die Stadtväter der Sechs-Millionen-Metropole Changde jetzt ausbaldowert haben, mutet denn doch ein wenig bizarr an: Um ausländische Investoren und Touristen anzulocken, wie es offiziell heißt, soll auf zwei Hektar Fläche direkt am Yuanjiang-River die Innenstadt von Hannover nachgebaut werden.

Ja, Hannover. Geplant sind eine Fußgängerzone, die „Hannoversche Straße“ heißen wird, dazu ein „Leibniz-Platz“ und ein „Bahlsen-Platz“, wie Bauleiter Chiyang Peng über das 370-Millionen-Euro-Projekt verriet. Gebaut wird aus Fertigteilen, aber mit spitzen Giebeln, bunten Fassaden und engen Gassen. Einziehen soll später ein Mix aus feinen Hotels, Edel-Boutiquen, Modehäusern und Genießerlokalen. Ein Hannover eben, wie es noch niemand kennt, weil jeder bei dem Namen natürlich nur die triste Schnellbaustadt an der Leine vor Augen hat.

Die chinesische Idee eines verbesserten, ja, schönen Hannovers im Reich der Mitte hat aber gerade deshalb Potenzial für unsere Region. Auch Magdeburg, städtebaulich mit demselben Schicksal unsichtbarer Schönheit geschlagen wie die niedersächsische Landeshauptstadt, hat eine Partnerstadt in China. Idee aus Halle: Dort, in Harbin, könnte demnächst ein neues, hübsches Magdeburg entstehen!

Dienstag, 20. Oktober 2015

Ronald M. Schernikau: Deutsch­land in der Brat­pfanne

Vor 24 Jahren starb der Literatur-Exot Ronald M. Schernikau - nicht ohne zuvor sein großes, rätselhaftes Büchersammelwerk "legende" fertiggestellt zu haben.

Ganz am Ende tritt er dem Leser selbst entgegen. Ronald M. Schernikau, hasenzahnig lächelnd, die Brille im Gesicht groß wie eine Schaufensterscheibe, mit schulterlangem Hippie-Haar und einem Seidentuch um den Hals. Schernikau sieht harmlos aus - doch wer es bis hierher geschafft hat, auf Seite 836 seines Monumentalwerkes "legende", der weiß: Der Kerl ist alles, nur nicht das.

Allein die Geschichte des Buches spricht Bände. 1983, zwei Jahre nach seinem ersten kleineren literarischen Erfolg mit der Coming-Out-Geschichte "Kleinstadtnovelle", begann der damals 23-Jährige mit der Arbeit an seinem Hauptwerk. Fertig gestellt hat er es im Jahre 1991, gerade eben noch rechtzeitig vor seinem frühen Tod. Erschienen ist es erst jetzt, denn lange fand sich kein Verlag, der das überaus anspruchsvolle Buchbrikett veröffentlichen wollte.

Selber schuld, Schernikau. Hartnäckig hatte sich der gebürtige Magdeburger zum Sonderling des deutschen Literaturbetriebes stilisiert: Nachdem seine Eltern 1966 nach Lehrte bei Hannover umgezogen waren, trauert das "Kind, das lieber lacht als Spaß hat" (Sch. über Sch.) der verlorenen Heimat DDR nach. Ohne nachzulassen tut er das und schafft es schließlich wirklich, 1986 die Zulassung für ein Studium am Literaturinstitut Johannes R. Becher in Leipzig zu bekommen.

Seinen Kommilitonen muss Schernikau vorgekommen sein wie ein Wesen von einem anderen Stern: Ein Wessi, der für den Kommunismus glüht, ein Wohlstandsbürger, der die Mangelwirtschaft als Erlösung vom Konsumterror feiert. Am ersten September 1989 ist Schernikau am Ziel seiner Wünsche, als die untergehende DDR seinem Antrag auf Erteilung der Staatsbürgerschaft zustimmt.

Ein komischer Kauz, unbrauchbar für jede moderne Vermarktung. Acht Jahre immerhin benötigte Thomas Keck, Schernikaus Lebensgefährte und Erbe, um aus dem Buchprojekt ein Buch zu machen. Schriftsteller wie Elfriede Jelinek, Matthias Frings und Peter Hacks, die für 135 Mark jeweils ein Exemplar der Erstausgabe vorbestellten, konnte der kleine Dresdner Goldenbogen-Verlag die Finanzierung der regulären Auflage absichern, die für 65 Mark in den Handel kommt. Dafür wird allerdings eine Menge geboten. "Sie müssen bedenken", entschuldigt der eigensinnige Poet eingangs seine nachfolgende Jagd durch Zeiten, Stile und Zitate, "dass ich gezwungen war, mein Spätwerk schon in meinen Dreißigern zu schreiben." Schernikau, bekennender Schwuler, war an Aids erkrankt und wusste recht zuverlässig, dass er nach "legende" nichts weiter mehr würde schreiben können.

Folglich hat er alles zwischen diese beiden schwarzen Leinenrücken gepresst: Neun Bücher, aufgeteilt in durchnumerierte Kapitel mit Namen wie "Beruf Eros Ramazotti", "Hüter der Kugelvase" oder "Der Neffe von Ulla", allesamt von wunderlicher Gestalt und rätselhaftem Inhalt. Deutlich wird nur wenig. Etwa, dass im Zentrum der Schernikauschen Legende eine Stadt steht wie das einstige Westberlin, in dem der Dichter lange lebte. "wie das eigelb im spiegelei liegt die insel mitten im land. wie das spiegelei in der bratpfanne liegt das land in der welt", beschreibt er, praktisch und pathetisch zugleich, die Insel, die den Schauplatz abgibt für eine Handlung, die irgendwo zwischen Arno Schmidts "Kaff auch Mare Crisium" und "Ulysses" von James Joyce spielt.

Bei Ronald M. Schernikau treten eingangs vier Götter auf, die fifi, kafau, stino und tete heißen und beauftragt sind, des Schokoladenfabrikanten anton tattergreis' Nachfolger janfilip geldsack zu retten. Der ist angesichts seiner Allmacht traurig, weswegen er über die Heirat mit einer Kommunistin nachdenkt, um sich selbst auszulöschen. "Ich soll mich nicht mehr geben. es soll keinen mehr geben wie mich, niemals mehr."

Das lässt erahnen: Typografisch von Schernikau selbst sehr geschmackvoll gestaltet, ist "legende" nicht unbedingt eine unbeschwerte Strandlektüre. Hier ist Mitarbeit unabdingbar, gelegentliches Blättern Grundvoraussetzung zum Verständnis, das dennoch eingeschränkt bleibt. "legende" ist enigmatisch, Literatur in einem unbekannten Code. Unentwegt springt das Buch durch verschiedene Perspektiven, trotzig umkreist Schernikau seine Themen, sich näher und näher schiebend, um plötzlich unvermittelt abseits weiter zu plaudern.

Im richtigen Leben soll er schüchtern gewesen, aber hin und wieder trotzdem ein offenes Wort gewagt haben. Zur falschen Zeit an der falschen Stelle meist - etwa in der Endphase des Untergangs der DDR, als er seine ostdeutschen Schriftsteller-Kollegen in flammenden Worten vor dem "Maß an Unterwerfung" warnte, das "der Westen jedem einzelnen seiner Bewohner abverlangt".

Ausgelacht ist er worden, aufgegeben hat er nicht. Hier kommt dieselbe Botschaft, vielfach verpackt in Szenen, Verse, Miniaturen. Ein Buch wie ein Steinbruch, der rote Faden sorgfältig versteckt unter Geröll und Versschutt. Schernikau erzählt von seinem eigenen Tod, von der Weltrevolution, vom Haareschneiden und vom Ficken in der Parktoilette. Mal wird es beim Er-zählen ein Gedicht, mal etwas wie ein Essay, dann wieder ein dahinwabernder Monolog: "ich möchte ich möchte ich möchte paar locken Dich ein känguruh möcht ich weil ich hab' Dich lieb ja du da Dich".

Ja, Sprachkraft hat Schernikau und Frechheit, doch sein Ehrgeiz, die letzten Dinge zu sagen und sein Hang, ein Monument zu bauen und allen Lächlern und Zweiflern von ganz oben aus dem Wolkenkuckucksheim die Zähne zu zeigen, stehen dem Lektüre-Genuss entgegen. Brüche und Rückblenden zerren die an die Bibel erinnernde "legende" durch den Zerhacker, immer wieder geht die Formulierungsfreude dem Autor durch, bis kein Wort mehr etwas bedeutet.

Was dem Poeten selbst nicht entgangen ist. "schon an dieser stelle die erste rückblende, um den leser auf die übergroße komplitesse des erzählwerks vorsichtig vorzubereiten", schreibt er irgendwo zwischendurch, wo vermutlich schon kein Leser mehr hinkommen wird. Wie Sysiphus hat Schernikau an diesem Monstrum von einem Buch gearbeitet, größenwahnsinnig, selbstverliebt und brillant, besessen von der Aufgabe, mit Worten die Welt zu verändern. "Der Kommunismus wird siegen werden", heißt es zum bitteren Finale. Die Insel wird anschließend offiziell zum Friedhof erklärt und aus der Luft geweiht. 


Kein Schlussakkord, ein Fadeout.

Und heute ein Triumph: Bei Amazon ist die "legende" derzeit zwar zu bekommen. Für 280 Euro.

Ronald M. Schernikau: "legende", verlag ddp goldenbogen, Dresden 1999, 845 Seiten, ursprünglich 32,50 Euro

David Gilmour: Gitarrist auf Freiflug

Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour träumt auf seinem Solo-Album „Rattle that lock“. Und er klingt dabei, als sei er ganz allein Pink Floyd.

Es war natürlich eine freiwillige Gefangenschaft, die im vergangenen Jahr endete, als mit David Gilmour und Nick Mason die beiden verbliebenen Mitglieder von Pink Floyd bekanntgaben, nach dem Album „The Endless River“ keine weiteren Floyd-Platten mehr veröffentlichen zu wollen. Immer der Erwartungsdruck, immer die Sehnsucht der Fans, noch einmal ein „Wish you were here“ oder "Dark side of the moon" geliefert zu bekommen. Da muss das Ende irgendwie auch befreiend wirken.

David Gilmour, der seit dem Ausstieg von Roger Waters Mitte der 80er zum musikalischen Chef der Supergruppe aufgerückt war, feiert das am liebsten, indem er Solo-Alben veröffentlicht, die in der Regel nicht viel anders klingen als seine Aufnahmen mit der Gruppe. Seit Roger Waters dort ausgestiegen war, prägte Gilmour, der spät hinzugekommene Ersatz von Syd Barrett, den Sound der Band. Naturgemäß prägt er auch den seiner Alleingänge.

„Rattle that lock“, Soloalbum Nummer vier des Gitarristen, nimmt die schwebende Atmosphäre des endlosen Flusses auf. Unterstützt von einem Heer an Promifreunden mit David Crosby, Graham Nash und Phil Manzanera an der Spitze, baut das in edler Verpackung verkaufte Werk in seinen besten Momenten dieselbe Stimmung auf wie einst „Us and them“ oder später „High hopes“.

Das liegt nicht nur daran, dass Gilmour seine patentierten Gitarrenklänge liefert, sondern auch an Details wie dem verhuschten Sprechgesang zu Beginn von „A boat lies waiting“ oder der Melodieführung in „In any tongue“, die jeden Floyd-Fan an die guten alten Zeiten erinnern wird, als dieses Lied so ähnlich noch von der größten Band der Welt auf den allergrößten Bühnen gespielt wurde.

Gilmour ist dem Alter entrückt, in dem er den Vorwurf des Selbstplagiats fürchten musste. Zudem sind hier die Songs, in denen er bei seinem Leisten bleibt, viel besser als die, in denen er versucht, mal alles ganz anders zu machen.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Glen Hansard: Mission Mitsingen

Ausverkaufter geht es nicht. Um den gesamten Häuserblock der Konzerthalle Täubchenthal in Leipzig zieht sich die Schlage der Fans vor dem Konzert des irischen Folk- und Rocksängers Glen Hansard. Glen wer? Vom Namen her ist der Ire dem breiten Radiopublikum nicht unbedingt bekannt. Doch seit er vor neun Jahren in der Kinoromanze „Once“ nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern zum Film mit dem Song „Falling Slowly“ auch einen Superhit lieferte, hat der gebürtige Dubliner weltweit keine Probleme, Hallen fast beliebiger Größe zu füllen.

In Leipzig ist er zum ersten Mal, begleitet von einer neunköpfigen Band, der Sängerin Lisa Hannigan und seiner alten, vorn völlig durchgescheuerten Gitarre, die jeder Fan aus „Once“ kennt. Was der Mann, der vor seiner großen Karriere jahrelang als Straßenmusiker um die Welt zog, in den folgenden 140 Minuten bietet, ist kaum mit Superlativen zu fassen: Hansard, haucht und schreit, er schwelgt und wimmert, er singt und lässt immer wieder singen.



Der 45-Jährige hat die Lieder dazu. Bereits mit den Frames, der Band, die er nach „Once“ verließ, zauberte er Hymnen am Fließband, Lieder halb aus irischem Folk, halb aus US-Rock gestrickt. Diese Wurzeln sind bis heute geblieben, auch wenn die neue Band mit ihren Streichern und Bläsern alte Frames-Stücke wie „Revelate“ und neue Songs wie „Didn't He Ramble“ eher im klassischen Van Morrison-Stil interpretiert.

Hansard aber, der als 13-jähriger seine ersten Straßenauftritte absolvierte, bleibt immer der Mann in der Mitte. Er nimmt das Tempo raus, lässt die Zuschauer singen, spricht ein bisschen Deutsch und scheint tief im grauen Bart beständig zu schmunzeln - vor allem, wenn ihn sein Publikum ohne Worte versteht. Bei „Her Mercy“ etwa bittet er um Chorunterstützung im Refrain, „ein bisschen wie ein Gospelchor“ solle es werden, sagt Hansard. Und bekommt eine ganze Kirche voll, als sei das alles einen Tag zusammen geübt worden. Auch den Fans gefällt es, sehr sogar: Als das Lied auf der Bühne beendet ist, singen sie so lange weiter, bis auch Hansard noch einmal mitmacht.

Der Ire arbeitet für sein Geld. Nassgeschwitzt und ruhelos zieht er alle Register. „Minds made up“ ist ein wildes Rockspektakel, „Say It to Me Now“ dagegen singt er ohne jede elektrische Verstärkung vom Bühnenrand in den andächtig lauschenden Saal. Als zum oscarprämierten „Falling Slowly“ auch noch die frühere Damien-Rice-Mitsängerin Lisa Hannigan auf die Bühne kommt, um das von Hansard einst mit Filmpartnerin und Lebensgefährtin Markéta Irglová gesungene Schmerzensduett „Falling Slowly“ zu geben, badet die Halle in Herzschmerz.

So traurig, so schön, dass Glen Hansard niemanden so nach Hause gehen lassen will. Zusammen mit der Band marschiert er zum Finale mitten hinein ins Publikum und zelebriert Dick Blakeslees alten Polit-Song „Passing Through“.




Dienstag, 13. Oktober 2015

GEZ: Kampf um die Ventilkappe

Wer seinen Rundfunk-Beitrag nicht zahlt, muss mit platten Reifen rechnen.Wenn das nicht zusätzliche Sympathien bringt! Seit die einstige GEZ-Gebühreneinzugszentrale als „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“ nicht mehr schnöde „Rundfunkgebühren“ erhebt, sondern „Rundfunkbeiträge“ einzieht, haben sich die Fronten zwischen zuschussbedürftigen Anstalten und zahlungsunwilligen Zuschauern verhärtet. Die einen dringen auf prompte Zahlung. Die anderen protestieren gegen fehlende deutsche Schlager, verweisen auf den fehlenden Fernseher oder kritisieren, dass Putin immer so schlecht wegkommt, wenn sie doch mal einschalten. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist aber nun mal kein Wunschkonzert und Rundfunkbeitrag keine Kann-Bestimmung: Wer theoretisch gucken könnte, muss praktisch bezahlen.

Tut er es nicht wie offenbar Millionen Deutsche, zieht der Beitragsservice andere Saiten auf: 891 000 Mal bat die weltweit einzige Institution ohne offizielle Abkürzung örtliche Behörden um Amtshilfe beim Eintreiben von Außenständen. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent, dem mit allen nur erdenklichen Maßnahmen entgegengewirkt wird. Beitragsschuldige Autobesitzer etwa bekommen in Nordrhein-Westfalen sogenannte Ventilwächter an die Reifen gesteckt - kein Fahren mehr, bis ARD und ZDF ihr Geld haben.

Die ersten Meldungen darüber führten naturgemäß zu einem großen Frohlocken bei allen, die kein Auto haben. Haha, Pech gehabt, GEZ! Alle anderen müssen mit verschließbaren Ventilkappen vorsorgen: Einmal abgeschlossen, kommt kein Gebührenfahnder noch einen Ventilwächter ans Rad.

Montag, 12. Oktober 2015

Borussia als Buch: Literaten begegnen der Lei­den­schaft

Zwei Dutzend Schriftsteller aus der Autoren-Nationalmannschaft haben die desaströse letzte Saison von Borussia Dortmund begleitet.

Dramatisch war sie, historisch einmalig. Mit glimpflichem Ende. Aber alles in allem katastrophal, die letzte Saison des Dortmunder Fußballvereins Borussia. Aber all das konnte Moritz Rinke nicht wissen, als er die Idee hatte, zwei Dutzend Schriftstellerkollegen aus der Autoren-Nationalmannschaft zu bitten, den Fußballbundesligisten über ein Jahr lang zu begleiten. Ziel des Unternehmens sollte es sein, sich dem Phänomen BVB literarisch zu nähern, das gelb-schwarze Emotionszentrum des deutschen Fußballs zu erkunden und zu erklären.

Dass das daraus entstandene 240-Seiten-Buch "Man muss ein Spiel auch lesen können" nun ausgerechnet aus dem Jahr erzählt, in dem die Macht von der Ruhr wackelte und wankte wie lange nicht, ist in der gedachten Konstellation von Vorteil. Keinen aalglatten Siegeszug beschreiben Autoren wie Joachim Król, Monika Marion und Thomas Brussig. Sondern ein verwirrtes Suchen um festen Stand, ein Ringen um Selbstverständlichkeiten, einen Überlebenskampf, den Luxuskicker führen müssen, die für gewöhnlich um Titel und nicht gegen den Abstieg spielen.


Ein Dramolett in 26 Akten hat das Tagebuch des Schreckensjahres so werden müssen - aber wie hübsch haben es die zu den Heimspielen herbeigereisten Autoren aus der ganzen Republik angerichtet! Alle Genre finden sich bedient, von der Reportage über die Reflektion bis hin zum Großgedicht "In der Wand". Und alle Register feiern den BVB als ein Ding, das weit mehr ist als ein Fußballverein.

Familie. Heimat. Krimi. Thriller. Erbe. Ausdruck einer Massenpsychose. Der erliegen auch die Literaten, obgleich sie von Haus aus größtenteils Fans ganz anderer Klubs sind. Doch die Anwesenheit im Westfalenstadion, obschon es heute technokratisch "Iduna-Nova-Park" heißt, verwandelt die argwöhnischen Skeptiker wie die neugierigen Novizen in Gläubigem, deren Notate die Wunderkraft des BVB selbst als wankende Fußball-Supermacht bezeugen.

Ist es so? Oder spielt hier eine Rolle, dass der <>-Sponsor Eon sich seine Unterstützung des Auswärtspieles der Autorenmannschaft sicher nur ungern mit Meckertexten über Fußballmillionäre und Champions-League-Gigantomanie hätte vergelten lassen?
Dahingestellt. Gerade weil die Seuchensaison des <>, die mit dem Abschied von Traineridol Jürgen Klopp enden wird, keinen Platz für eindimensionale Siegeshymnen ließ, wirkt "Man muss das Spiel auch lesen können" alles in allem authentisch, obwohl es naturgemäß Partei ergreift. Der mit dem letzten Spiel geschiedene Spieler Sebastian Kehl, ein Borusse bis ins schwarz-gelbe Knochenmark, lobt denn in seinem Nachwort auch uneingeschränkt: "Es ist keine einfache Chronik, sondern eine kleine Liebeserklärung."


Mittwoch, 7. Oktober 2015

Günthi Krause: Ein Nachmittag im Erinnerungshotel

Nach 50 Jahren im Geschäft dachte der Conférencier schon einige Jahre vor seinem Tod ans Karriereende - aber Aufhören konnte er dann doch nie.

Diese verfluchten Zelte. Wie ein Stadion so groß, weiß wie ein Krankenzimmer, kahl und leer. "Keine Atmosphäre", befindet Günther Krause, "ich muss nur einen Schritt reintun, um zu wissen, dass das nicht schön wird." 20 Leute auf 800 Quadratmetern, Baumarktgestühl, Pappteller und Plastikbecher. Der Hallenser Günther Krause, als Conférencier Günthi Krause fast ein halbes Jahrhundert eine Institution der hohen Kunst der Programmansage, lässt seine Gesichtszüge kurzzeitig entgleisen. "Buhh" blasen die Backen, "uhh" jammern die Mundwinkel.

Doch keine Sause ohne Krause! Entschlossen beißt er in seinen Pfannkuchen. "Da heißt es kämpfen", orgelt die sonore Mikrofonstimme. Aufgabe eines Conférenciers sei es, für andere "den Teppich auszurollen und Spannung" aufzubauen . "Manchmal bleibt da nur ein alter Trick", grient Krause mit goldenem Blinken, "dass man sich an die Damen ranschmeißt oder ein paar Witze rauszaubert."
Keiner kann das besser als der schlanke Herr mit dem weißen Schopf, der einst angetreten war, die großen Heldenfiguren zu spielen. Ein Schmunzeln blitzt: "Und die Liebhaber natürlich."

14 ist Günther Krause, als ihm aufgeht, dass er Schauspieler werden will, ja, werden muss. "Wenn ich ins Kino ging, habe ich immer gedacht, das kannste auch." Vorerst verhindern Krieg und Einberufung den Karrierestart des gebürtigen Erfurters. "Ich kam nach Italien, wurde verwundet, die Franzosen nahmen uns gefangen und brachten uns rüber nach Afrika." Schwere Zeiten für Oberfähnrich Frohnatur. Das linke Bein ist kaputt, der Unterarm zerschossen. Es gibt kaum etwas zu essen, der einzige Trost sind die Proben der Häftlings-Theatertruppe. "In Tunis habe ich abends oft wach gelegen und gedacht, das war's, hier kommst du nicht mehr lebend weg."

Drei Jahre dauert das Martyrium, und erst als Krause schon glaubt, der Krieg würde nie mehr enden für ihn, bringt ihn ein Schiff zurück nach Hause. Hurra, wir leben noch! "Das erste, was ich gemacht habe, war die Aufnahmeprüfung." Talent bescheinigen ihm alle auf der Schauspielschule. "Und ich habe dann auch ganz manierliche Rollen gespielt", sagt der Mime stolz.

Bei 350 Mark Gage aber musste man sehen, dass die Butter zum Brot anderswo verdient wird. Günther Krause, der gemeinsam mit Rolf Hoppe am Theater der Jungen Garde in Halle engagiert ist, beginnt zu tingeln und in Dorfsälen und Stadthallen bunte Programme anzusagen. Der Solo-Erfolg kitzelt das Selbstbewusstsein. "Ich habe schnell gemerkt, das ist meine wahre Bestimmung."
Gelacht und mitgemacht

Ein Dampfplauderer ist Krause, eine Quasselstrippe, ein schnatternder Sonnenschein in jedem trüben Saal der DDR. "Günthi" nennen sie ihn und schon der Name kommt daher wie ein festgebügeltes Lachen. "Gelacht und mitgemacht" oder "Scharfe Blitze - dufte Witze" heißen die Programme, mit denen der Charmeur über Land zieht, begleitet von Sängern, die sich "Die 3 singenden Optimisten" nennen. "500 Mal sind wir damit aufgetreten", schwärmt er, "dann kamen die Einladungen an große Häuser."

Die Karriere des Quasselkrause, der 180 Silben in der Minute ins Publikum sprudeln kann, nimmt einen steilen Aufschwung. Lindenhof, Steintor, Friedrichstadtpalast - die Beweise hütet Krause sorgsam in Mappen und Klemmheftern, ganze Stapel Programme, Fotos und Zeitungsausschnitte erzählen in der kleinen Altneubauwohnung von der großen Zeit des Varieté. "Die Menschen standen oft stundenlang an, um uns zu sehen", schwärmt Krause beim Durchblättern mit verhangenem Blick. Zeiten waren das. Zeiten! "Der Günthi" ist in jenen Tagen ein Star, ein Mann, den die Frauen anhimmeln und die Kollegen mögen.

Er ist Stammgast im Fernsehen und auf den großen Pressefesten, er plaudert mit SED-Größen wie Achim Böhme und Horst Sindermann, und mit dem DDR-Staatszirkus darf er sogar mal eine richtige BRD-Tournee absolvieren. Krause fügt sich leicht in die Spielregeln der sozialistischen Unterhaltungskunst. Aufmucken und Ducken, Protestieren und Funktionieren. Humor ist, wenn man trotzdem lacht - Günthi Krause gleicht so dem ultimativen Gesamt-DDR-Bürger. Er tritt in die Nationaldemokratische Partei ein, um den Werbern der SED "den Wind aus den Segeln zu nehmen". Bei Großereignissen ist er unschlagbar im spontanen Vorlesen von Conférence-Texten, die sicherheitshalber anderenorts verfasst wurden. Hier und da kassiert er ein Auftrittsverbot, "weil meine Witze zu scharf waren". Und entschlüpft am Ende unbeschädigt, denn "wenn es gar nicht ging, hat der Sindermann die schon zurückgepfiffen".

Richtige Privilegien aber habe er nie gehabt, sagt er heute, mit 78 ein straffer Kerl mit präsidialen Gesichtszügen. "Wir haben immer zur Miete gewohnt, und als ich einen Volvo kaufen sollte, hat meine Frau gesagt, den wollen wir nicht." Günthi, die Conférence-Legende, gurkt weiter mit seinem VW Käfer durchs Land, 65 000 Kilometer im Jahr und jeder davon "selbst gefahren". Nur als der treue Volkswagen es nicht mehr macht, nutzt Krause seine Beziehungen. "Ein Bekannter ist mit einem Käfer in die DDR gekommen, wir haben die Nummernschilder getauscht, und er hat meine alte Karre mitgenommen."


So ist die Welt prima eingerichtet für den Sauna-Fan und Ausdauerschwimmer, der bis heute regelmäßig um seinen Ruf als Frauentyp krault. In der kleinen DDR ist er der Ansager für alle Fälle, ein Name mit Klang, wenn auch manchem unklar bleibt, was da klingt. Aber keine Sause ohne Krause!

"Das Angebot aus Bayern hat uns über die Wende gerettet", umschreibt der Allgegenwärtige zwischen zwei Schlucken Gesundheitstee. Im Osten ist 1990 nämlich plötzlich Pause auch für Krause. Keine Angebote, keine Auftritte, alle Verbindungen gekappt. Ein Fangschuss für die Eitelkeit des Entertainers. Drei Jahre überwintert der Possenreißer aus der Provinz als Anheizer in einem Freizeitpark, "sechs Vorstellungen am Tag, meine Frau musste die Kasse machen". Nein, er wird sich nicht beklagen: "Denn dann ging es ja zum Glück wieder los."

Er kann nicht anders, er gibt es zu. "Als meine Frau gestorben war, dachte ich, ich kann nie mehr auf eine Bühne steigen." In Zeitlupe nur stolpern die Worte jetzt, und die Augenwinkel schimmern. "Aber nach ein paar Monaten wusste ich, dass ich wieder vor die Leute muss." Es ist eine Sucht, eine Droge, das Witze-Erzählen und Plaudern, den Leuten nahe sein und ihren Applaus prasseln zu hören, egal ob bei der Gala im Altenheim oder auf der Baumarktschaffe. "Ohne das gehe ich ein."
Sollen sie doch ihre neumodische Comedy machen. Sollen sie seine Späße schal und seinen Witze von vorgestern nennen. Sein Publikum frisst ihm immer noch aus der Hand, oder? Die Anfragen stapeln sich! Damen strahlen, wenn er einmarschiert. Und Kollegen von früher staunen: "Mensch, bist du jung geblieben!"

Keine Sause ohne Krause, sagt er dann, weil die alten Kalauer doch die besten sind. Er fühlt sich toll in Schuss, Bombenform, kein bisschen müde. Aber nur noch ein Jahr, schwört der Conférencier, dann ist Schluss. Kein Witz! Günthi Krause schmunzelt golden. Er hat gerade erst begonnen, seinen eigenen Abgang anzusagen. Der Teppich liegt, die Spannung steigt.

Mittwoch, 30. September 2015

Dave Rawlings: Musik aus einer Holz-Maschine



Er ist einer dieser Querköpfe, die von Musikerkollegen gerühmt werden, beim großen Publikum aber nur Eingeweihten bekannt sind. Der Amerikaner Dave Rawlings, ursprünglich aus Rhode Island stammend, macht es Liebhabern fein ziselierter Folk-Musik aber auch nicht leicht. Eine ganze Karriere lang blieb er im Schatten seiner Lebenspartnerin Gillian Welch. Wenn er Freunden wie Ryan Adams oder Conor Oberst (Bright Eyes) mit seinem unverwechselbaren Gitarrenspiel half, hängte er das nie an die große Glocke.

Dass Rawlings mit seiner Vorliebe für eine Epiphone Olympic-Gitarre aus dem Jahr 1935 unter seinesgleichen eine große Nummer ist, konnte allerdings sehen, wer den Led-Zeppelin-Bassisten John Paul Jones begeistert Mandoline für ihn spielen sah.

Bei Nashville Obsolete, seinem zweiten Album, verzichtet der bereits mit dem Lifetime-Award der Americana Music Association ausgezeichnete große Unbekannte des Americana-Rock dennoch auf prominente Hilfe. Stattdessen hat er die sieben Songs gemeinsam mit Paul Kowert (Punch Brothers) am Bass, Willie Watson an der zweiten Gitarre und den Gästen Brittany Haas an der Geige und Jordan Tice an der Mandoline eingespielt. Dazu kommen Violinen, Banjos, ein wenig Schlagwerk und viel Satzgesang.

Das reicht allerdings völlig, um aus dem an Neil Young erinnernden „The Weekend“ oder dem flotten Picking-Stück „The Last Pharao“ Lieder zu machen, die die ganze Weite der Prärie zu atmen scheinen. Spätestens wenn Rawlings dann „Pilgrim“ anstimmt, wünscht man sich nur noch ein Auto, einen Highway und fünfzig Jahre Urlaub.

daverawlingsmachine.com


Donnerstag, 24. September 2015

Saalebild fürs Sofakissen

Weil hier so viele Anfragen nach dem Bild von der Saalebrücke bei Dehlitz eingegangen sind, dass ich schlicht nicht mehr die Kraft und die Zeit habe, das Foto auszudrucken und mit der Post zu verschicken oder auch nur zu mailen, habe ich mal was Neues ausprobiert. Bei mobile-prints.com kann man sich das Motiv - und ein paar andere Bilder - jetzt ordentlich ausdrucken, auf ein Kissen nähen oder als Metallplatte nach Hause schicken lassen.

Photography Prints

Dienstag, 22. September 2015

Renft: Warum werden die nicht liquidiert

Thomas "Monster" Schoppe ist der Sänger der Renft-Combo - immer noch.

Heute vor 40 Jahren wurde seine Band verboten. Thomas Schoppe, genannt "Monster", wurde arbeitslos, musste schließlich in die Bundesrepublik ausreisen. Eine offene Wunde immer noch, aber auch eine Geschichte, die zeigt, wie sich mit Würde die eigene Würde behaupten lässt.  

Ein Interview, das auch schon wieder historisch ist, denn es stammt von 1995. Aber an der Geschichte hat sich ja nichts geändert.

Thomas Schoppe - Warum nehmen Sie den Puhdys nichts übel?

Schoppe: Nun - wir als Renft sind halt damals verboten worden und die Puhdys haben nicht dagegen protestiert, sondern in der DDR groß abgesahnt. Wir haben uns im Westen irgendwie durchgeschlagen, die haben sich hier eingerichtet. Das ist vielleicht nicht gerecht, aber so laufen die Dinge in der Welt. Da kannst du nicht gegen machen. Ich habe im Leben genug durch, um zu wissen, daß es keinen Sinn hat, sich darüber aufzuregen. Aus unserer Sicht war es damals logisch, sich verbieten zu lassen und ich bedauere das auch heute noch nicht. Andere sehen das sicher anders.

Man sagt, Renft hätten damals direkt auf ein Verbot hingearbeitet?

Schoppe: Ach, hingearbeitet. Wir lebten doch in einer Traumlandschaft, in der wir uns gegenseitig Mut gemacht, ja, uns auch gehuldigt haben. Nicht alle aus der Band, aber der kritische Kern um Pannach, Kuno und mich. Wir haben ja damals allesamt nicht schlecht gelebt hier. Was heißt nicht schlecht, gut, sehr gut haben wir gelebt. Aber Kuno und Pannach kippten die Band. Plötzlich haben wir andere Prioritäten gesetzt. Alle anderen waren zu der zeit raus aus der Diskussion. Wir haben Marcuse gelesen und über solche Sachen wie den Prager Frühling sind wir ja nie fertig geworden, rot wie wir waren. Wir wollten dann also bestimmte Sachen, die uns nicht passten, provokant vorbringen.

Hat Euch überrascht, daß man darauf so hart reagierte?

Schoppe: Gedacht haben wir das nicht. Aber es war uns eigentlich auch egal. Was heute keiner mehr wissen will: Renft waren ja damals schon am Ende. Klaus hatten wir als Bandchef abgewählt, Kuno wollte aussteigen, Jochen mochte auch nicht mehr. Für mich war das Kapitel DDR eh´ schon abgeschlossen. Ich habe ja die Unmöglichkeit gesehen, bestimmte Dinge in der DDR öffentlich zu machen. Deshalb haben wir ja auch alle Warnungen von Havemann nicht beachtet.

Wovor hat der Euch denn gewarnt?

Schoppe: Havemann meinte, daß die Stasi bestimmte Sachen mitmacht, so wegen des lieben Friedens. Aber bei anderen haut sie drauf. Wir haben früh um zehn in der Leipziger Kneipe „Cockpit" gesessen, total benebelt natürlich, und aus dieser Sicht war es ganz normal, daß man völlig frech und respektlos da rangeht. Wir waren ja so unverfroren! Manchmal haben wir die Leute auf der Straße angebrüllt: Geht nicht mehr arbeiten für diesen Scheiß-Staat und so. Mein Gott, waren wir daneben.

Man hat ja dann noch eine Art Wiedereingliederung an Euch erprobt.

Schoppe: Kann man so sagen. Erst kriegten wir noch eine Polen-Tournee hinterher geschmissen, sozusagen zur Beruhigung, dann versuchten sie, Kuno und mich zur NVA-Reserve einzuziehen. Ein Witz. ich bin da gleich hin und hab´ rum geschrien: Scheiß-Laden, kommt nicht in die Tüte, daß ich hier bleibe. Wir sind dann wieder gegangen, und die haben uns gehen lassen.

Die Stasi hat Euch aber auch nach eurer Ausreise in den Westen immer im Auge behalten?

Schoppe: Ja, klar. Da ging das erst richtig los. In Leipzig hatten die Stasileute noch einen Rüffel von Mielke selber bekommen: „Warum kann man diesen Typen nicht habhaft werden? warum werden die nicht liquidiert?" hat er gebrüllt. Da haben sie dann aufgepaßt. Bei mir war ständig die ganze Heinstraße voller Spitzel. Ich wollte bloß noch raus.

Im Westen kam dann die Ernüchterung?

Schoppe: So war das. Kuno und Pannach hatten ja da schon Auftritte mit Biermann und so gehabt und blöde Interviews im „Spiegel". Das war so die Nummer „Märtyrer im Vorprogramm". Aber als ich rüber kam, bin ich auch erstmal da hin. Das war so diese Szene Alternative und Spartakisten und K-Gruppen. Die standen im Foyer wie die Jesuiten. Ich dachte nur: Oh Gott, wo bist du hier? Ich konnte das nicht lange machen, dieses „huch wir armen DDR-Liedermacher" Eigentlich bin ich doch ein Rocker.

Aber als Rocker warst Du nicht gefragt?

Schoppe: Im Nachhinein betrachtet hätte es klappen müssen. Wären wir nicht so blöd gewesen, hätten wir das Ding ganz politisch aufgezogen und voll kontra DDR gemacht. Das hätten uns alle abgekauft. Allerhöchstens hätte es was gekostet, einen tödlichen Unfall auf der Transitstrecke oder so. Aber wir haben es falsch angefaßt. Windminister war unsere West-Renft-Band. Aber zum ersten Auftritt im Quartier Latin hatte die Stasi so viele Westkommunisten gekarrt, die mit Parteiauftrag Buh! geschrien haben, noch ehe wir eine Note gespielt hatten. Weil sie dachten, wir würden genau das machen - politisch und gefährlich sein. Dabei waren wir das gar nicht. Wir waren so theologisch, philosophisch. keine Protesttexte so nach dem Motto „Auf ihn mit Gebrüll!" Nach der Pleite sind alle weggelaufen. Zuerst der Gitarrist, dann die Trommlerin. Und das wars dann.

Wovon hast gelebt?

Schoppe: Meine Frau war ja noch in der DDR aus der Partei ausgetreten, nachdem die sie gebeten hatten, auf mich „einzuwirken". Die ist dann mit mir in den Westen, als Zahnärztin hat sie da gut verdient. Die hat mich so mit durchgeschleppt, anfangs wenigstens. Später hat sie mich verlassen. Auch meinen Sohn habe ich dadurch verloren. Scheiße. Ich habe dann in einem Kinderheim gearbeitet. Mich so durchgeschlagen.

Zu Kinderheimen hast Du ja eine besondere Beziehung?

Schoppe: Kann man so sagen. Nach dem Tod meiner Mutter bin ich Anfang der Sechziger selbst in ein Heim gekommen. Als ich dann kurz nach dem Mauerbau mit einem Kumpel versucht habe, Ecke Baumschulenweg über die Grenzbefestigung zu klettern, um rüber zu meiner Tante in Lübeck zu kommen, haben sie mich in ein Heim für etwas härtere Jungs gesteckt. Sitten wie im Strafvollzug. Dort bin ich auch zur Musik gekommen, über diese Merseybeat-Sachen.

Und wie ging es weiter?

Schoppe: Na ja, mit unserem Axel-Kien-Quartett sind wir so über die Dörfer getourt. Borna - Delitzsch und zurück. Eines Tages kam Klaus (Renft), in Gaschwitz war das, und hörte zu. Ich war total aufgeregt. Klaus war ja schon eine relative Berühmtheit. Ich bin dann nachher zu ihm hin, und habe mich entschuldigt, daß ich soviel Scheiße gespielt habe. Da sagt der: „Weißte, wie oft mir das passiert?" Ich wußte damals noch nicht, was das für ein wahrhaftiger Satz ist.

Ist er so schlecht?


Schoppe: Hör dir doch mal diese alten Sachen an. Das ist doch schauderhaft. Der Klaus nuschelt doch nur da unten rum, brumm, brumm. Das ist teilweise fürchterlich. Da sind solche Gurken drin! Aber das will ja keiner hören. Es hat ja vielleicht noch einen gewissen Charme, wenn man die Umstände betrachtet, unter denen das gemacht wurde. Aber das kannst du doch heute nicht mehr anbringen. Heute werden doch andere Maßstäbe gesetzt.

Ist das der Grund, warum man von Renft seit der Wiedervereinigung der Band nichts Neues gehört hat?

Schoppe: Es kommt ja nichts aus der Band. Früher hatten wir mit Cäsar und Kuno und mir drei gleichwertige Sänger, mit Cäsar und Kuno zwei erstklassiger Arrangeure. Das ist natürlich nicht mehr da. Wir sind uns auch nicht einig. Ich will nicht mehr diese olle Gitarrenmucke machen. Gitarren sind so langweilig. Aber da sind wir uns nicht einig. Und es ist ja auch schwer. Klaus hat natürlich Angst und ich auch - alles, was wir machen, wird an dem gemessen werden, was Renft vor zwanzig Jahren war. Da wird das Urteil logischerweise härter. Ich fände es auch blöd, wenn wir etwas vorlegen, zu dem die Leute sagen, huchja, kann man machen. Ich will ein Bild für die Zukunft, etwas. wo der eine oder andere stutzt und denkt „Mensch, tolles Ding hier, wer ist denn das?" Doch das musst du erstmal schaffen.




Mittwoch, 16. September 2015

Der unendliche Streit um Emil Abderhalden

Der bekannte Lokalhistoriker Knut Germar (Mitte am Pult) fand heraus, dass Abderhalden kein Nazi war, aber von "greisem Größenwahn" besessen. 

Spätestens mit dem Gutachten des unabhängigen Historikers Knut Germar (Foto oben) schien die seit Jahren tobende Diskussion um eine Umbenennung der Emil-Abderhalden-Straße in Halle beendet. Germar, ein überaus öffentlichkeitsscheuer Gutachter, bezeichnete Abderhalden zwar als „völkischen Denker“, für den „jeder undeutsch war, der sich der Arbeit entzieht“. Abderhalden habe zudem der "Tüchtigkeit" das Wort geredet und selbst noch in „greisem Größenwahn“ von einer wahren Volksgemeinschaft geträumt, so der Lokalhistoriker. Doch ein Nazi sei der Schweizer Professor nicht gewesen - und damit sei es "auch egal", ob die nach ihm benannte Straße umbenannt oder nicht umbenannt werde.

Ein Urteil, erstellt aufgrund ausgiebiger Studien und Zeitzeugenberichte aus zweiter Hand, denn die Arbeit mit Zeitzeugen lehnt Germar ab. Diese seien grundsätzlich unzuverlässig.

Dennoch wirkte es für einige Wochen nach seiner Wortmeldung so, als sollte sich die Umbennungsfraktion zufrieden geben. Zumal auch das amtliche Gutachten der Leopoldina, auf das die Diskutanten mehrere Jahre lang gespannt gewartet hatten, wenig später nicht viel anderes zu Tage förderte: "Ein lupenreiner Demokrat war er sicherlich nicht, aber auch kein Nationalsozialist. In ihm bündelte sich die komplexe Widersprüchlichkeit seines Zeitalters", sagte Professor Wolfgang Eckart bei der Vorstellung, die ein Schlusswort hätte sein können.

Aber Schluss ist damit immer noch nicht, denn nun verlangt die unterlegene Partei einen Kompromiss zu ihren Bedingungen: Nach fünf Jahren Zwist, der ohne ausreichende Datenbasis losgebrochen und über weite Strecken völlig ohne Scham und Faktenkenntnis geführt wurde, schlägt die Stadtratsfraktion der Grünen nunmehr eine Teilung der Emil-Abderhalden-Straße vor.

Als sei eine halbe Ehre allemal genug für jemanden, den man sowieso nie leiden konnte.

Freitag, 11. September 2015

Glück macht dick

Männer mit Trauschein neigen zu höherem Gewicht - und ihre Frauen auch.

Sobald der Ring am Finger steckt, ist es aus mit dem Trainingseifer. Vor allem Männer, so das Ergebnis einer Umfrage von Forschern des Berliner Max-Planck-Instituts unter 4 555 Europäern aus neun Ländern, neigen dazu, sportliche Aktivitäten zu vernachlässigen, sobald sie meinen, die Frau fürs Leben gefunden zu haben.

Keine ganz neue Erkenntnis, denn dass Verheiratete fast doppelt so häufig unter Übergewicht leiden wie Singles, hatte das Statistische Bundesamt bereits vor einigten Jahren anhand unwiderlegbarer Zahlen nachgewiesen: Unter den übergewichtigen Frauen sind in der Regel doppelt so viele Verheiratete wie Singles, bei den Männern hat nur ein Drittel der Junggesellen die schweren Gewichtsprobleme, mit denen stolze 66 Prozent der Ehemänner kämpfen.

Die Ursache dafür liegt nach übereinstimmenden Vermutungen der Fachwelt darin, dass Singles verstärkt Wert auf ihr Äußeres legen, mehr Zeit für Sport nehmen und häufig unterwegs sind, um mögliche Partner kennenzulernen. Außerdem, heißt es bei der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätik in Bad Aachen, hätten Singles oft einen Lebensrhythmus, der wenig Wert auf regelmäßige, gemütliche Mahlzeiten legt.

Die ewige Jagd hält schlank, macht aber nicht glücklich, wie die Psychologin Andrea Meltzer von der Southern Methodist University in Dallas herausgefunden hat. Danach heißt verheiratet sein zwar häufiger, dick zu sein. Gute Nachrichten für Übergewichtige mit Ehering: Das gilt nur dann, wenn die Ehepartner miteinander glücklich sind.

Sonntag, 6. September 2015

Egon Krenz: Der Libero der DDR



Er war die Nummer 3 im Staate DDR, aber gegen den bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Joseph Strauß hatte der frühere hallesche SED-Chef, spätere DDR-Ministerpräsident und Volkskammer-Vorsitzende Horst Sindermann keine Chance. Der Mann, der mit dem Bau der sozialistischen Chemiearbeiterstadt Halle-Neustadt Geschichte schrieb, schafft es zum 100. Geburtstag gerademal noch in den Berliner Kurier. An den Regionalpolitiker aus dem Westen, dessen größter Erfolg eine gescheiterte Kanzlerkandidatur war, erinnern "Spiegel", Bild und Deutschlandradio.

Zum Erinnern nach Halle muss da schon Egon Krenz kommen, letzter SED-Regierungschef der Arbeiter- und Bauernrepublik. Auf Einladung der "Rotfüchse", einer Art Nachkriegs-FDJ, stellt der einst führende Genosse die Sindermann-Autobiografie vor. "Vor Tageslicht"hatte Sindermann geschrieben, als es mit der DDR langsam zu Ende ging und seine eigenen Zweifel an der Richtigkeit der Politik der Partei, in die er als Schüler eingetreten war, wuchsen.

Es geht um Sindermanns Zeit im KZ im Buch, doch Krenz spricht natürlich vor allem von der Zeit danach. Vor einem Publikum, dass hauptsächlich aus Menschen besteht, die die DDR bis heute als ihren Staat begreifen, arbeitet sich der frühere FDJ-Vorsitzende an der medialen Darstellung dessen ab, was die DDR seiner Ansicht nach nie war. Ein Unrechtsstaat? In dem Nazis geschont wurden? Der damit für fremdenfeindliche Übergriffe heute verantwortlich ist? Krenz, als SED-Funktionär immer eine steife Figur mit gefährlichem Krokodilgrinsen, ist in seinem derzeitigen Amt als letzter und hochrangigster Verteidiger der DDR locker, leicht und zu Scherzen aufgelegt.

Seine 78 Jahre sieht man dem gebürtigen Pommer nicht an, wenn er zugespitzt argumentiert, Meldungen aus der "bürgerlichen Presse" (Krenz) verliest, um sie ganz auf Parteilinie zu zerpflücken, und vor seinen Zuhörern, die er gern als "Genossen" anspricht, jede Fehlerdiskussion vermeidet. Krenz ist sicher: Was in der DDR falsch lief, lang an subjektiven Fehlern. Was heute im Einheitsdeutschland nicht stimmt, hat seine Ursache im kapitalistischen System.

Was danach noch an Angriffen aufs Tor kommt, schlägt der Libero geradezu amüsiert weg. Delegitimiert werden solle die DDR und mit dieser Delegitimation auch das Leben von Millionen, sagt er. Der "Westen", sagt er, rede heute ja schon gar nicht mehr von der DDR, sondern nur noch vom "Osten", als habe es dieses andere deutsche Land nie gegeben. Er, Egon Krenz, werde weiter gegen diesen Versuch der Umschreibung von Geschichte streiten. Im Saal klatschen die Leute. Dann gibt Egon Krenz einer langen Schlange von Buchkäufern Autogramme.

Donnerstag, 3. September 2015

Gerhard Gundermann: Wie ich IM Grigori wurde



Im Sommer vor 20 Jahren hatten dann alle seine Akte. Der Stern recherchierte, die ARD bat andauernd um Rückruf. Die Gauck-Behörde hatte, nachdem auf einen Antrag hin eine IM-Akte zum ostdeutschen Liedermacher Gerhard Gundermann aufgetaucht war, nicht nur eine Kopie der zweibändigen Sammlung von Protokollen und Treffberichten herausgegeben, sondern ein Dutzend.

Die Luft für Gerhard Gundermann wurde dünn. Doch Conny Gundermann, seine Frau, war „irgendwie erleichtert, als es endlich raus war: der Gerhard war ja in den letzten Monaten gar kein Mensch mehr", beschreibt sie. Nur noch „rumgegrübelt" habe er, und überlegt, wie er es den Leuten sagt. „Sagen musste er es, das ist er seinem Publikum schuldig", war für Conny Gundermann schon lange klar. Gerhard Gundermann, der drei Jahre  später mit nur 43 Jahren völlig überraschend sterben sollte, über seine Zeit als „IM Grigori", die ihn 1995 einen großen Plattenvertrag, die Einladung einer großen Managementfirma und die Anerkennung der Westmedien kostete.

Hast Du damit gerechnet, dass irgendwann jemand kommt und dich auf die Zeit zwischen 1976 und 82 anspricht?

Gundermann: Es sind doch schon mehrere gekommen. Und dann habe ich immer gesagt, ja, so war das. Aber viele sind es nicht gewesen. Und ich hatte diese ganze Geschichte, nein, nicht vergessen, auch nicht abgehakt, aber irgendwie beiseite geschoben. Ich habe darüber nachgedacht und bin irgendwie darauf gekommen: man kann mit dem ganzen nur im Raum DDR umgehen. Aber der Raum DDR ist ja weg. Also habe ich für mich gesagt, das ist erledigt. Ich habe mich weder um meine Opfer-, noch um meine Täterakte gekümmert.

Hast du damals gewusst, dass du an OV und OPK beteiligt bist?

Gundermann: Nein, dass hat mir jetzt erstmal jemand übersetzen müssen, was das überhaupt ist. Die haben damals immer gesagt, „Schätze mal den und den ein". Eine ganze Reihe von denen sind dann später IM geworden, als ich nicht mehr dabei war. Ich habe sie empfohlen, und dann hatte ich sie auf dem Hals. So ist das.

Was willst Du nun tun?

Gundermann: Ich versuche, auf die Leute zuzugehen. Nachdem ich meine Akte gesehen hatte, habe ich versucht, rauszukriegen, wer denn nun hinter den Ovs und OPKs steckt. Das muss man ja erstmal entschlüsseln. Einen habe ich angerufen, der hat mich dann zu sich bestellt. Ich bin hingefahren - und der hat mich abtropfen lassen. Er wollte nicht mit mir drüber reden, er hat einfach gesagt, er hätte die Unterlagen jetzt nicht da. Ist ja sein gutes Recht. der ist ja jetzt am Zug. Vielleicht verarscht der mich auch bloß.

Was hast du denn über den berichtet?

Gundermann: Arroganten Mist. Der Gag war der: Der wollte immer in den Westen und die Stasi wollte ihn weghaben. Hätten die sich ausgesprochen miteinander, hätten die sich viel Mühe und Stress sparen können. Die andere OPK, an der ich beteiligt war, ist dagegen ziemlich harmlos. Ich habe jetzt auch mit dem gesprochen, und es stellte sich raus - der hatte die ganze Zeit Angst, dass ich seinen Namen in meiner Opferakte finde. Der hatte nämlich da angefangen, als ich aufgehört habe. (unter Video geht es weiter)




Welche Einschätzung hast du selbst von deiner Tätigkeit?

Gundermann: Meine Definition ist inzwischen so: Ich habe mich schuldig gemacht vor mir selbst, vor der Idee des Sozialismus. Ob ich mich an anderen Menschen schuldig gemacht habe, muß ich erst noch rauskriegen. Mit dem, was ich bisher weiß, kann ich leben, ohne daß ich mich aufhängen muß.

Aber solche Sachen wie die Funkgeräte-Nummer, wo du zwei Bekannte verraten hast, die Funkgeräte aus Italien eingeschmuggelt hatten - das ist doch Petzerei, das ist doch hochgradig unanständig.

Gundermann: Ja, klar. Das ist eklig. Aber es war doch so: Ich habe doch mit denen über alles mögliche geredet, und nie ist was passiert. Der Typ mit den Funkgeräten hat nie Ärger bekommen. Dabei hatte der eine unheimliche kriminelle Energie. Der klaute, auch wenn er Geld in der Tasche hatte. Der benutzte den Singeklub, um Privatgeschäfte zu machen. Ich dachte damals, in dem Moment, wo die mir vertrauen, daß ich alles weiß, trauen sie mir auch zu, daß ich alles im Griff habe. DaSS die also nicht eingreifen. Mir war ja die Gruppe wichtiger als der eine Typ. Das zumindest hat ja auch geklappt.

Wofür hast Du das Geld bekommen, über das die Stasi zwei lange Quittungslisten geführt hat?

Gundermann: Die kleinen Summen sind Kaffee und Kuchen. Was so im Februar ist, müssen Geburtstagsgeschenke sein. Und einmal die 161 Mark sind für den Fotoapparat, den sie mir gekauft haben, damit ich im Westen für sie fotografieren kann. Und die Filme. Beim ersten Treffen hat mir der Leutnant Stasch 50 Mark gegeben. Das sei so üblich. Aber ich habe mir das dann überlegt, und beim nächsten Mal gesagt, daß ich kein Geld haben will. Da hieß es dann: Das gibt's nicht, denn mit allen, die kein Geld haben wollen, stimmt irgendwas nicht. Ich hab´s trotzdem nicht genommen.

Dafür gab´s dann später eine ganze Reihe von Auszeichnungen?

Gundermann: Und jedesmal ein blödsinniges Theater. Die Artur-Becker Medaille haben sie mir gezeigt, und dann wieder mitgenommen. Die 250 Mark, die da dranhingen, konnte ich behalten. Für den Einsatz in Ungarn gab's eine Obstschale aus Blech. Die habe ich weggeschmissen.

Wie hast Du die Treffs mit denen getarnt?

Gundermann: Gar nicht. Ich war doch solo, mich hat doch keiner gefragt, wo ich hingehe.

Welches Verhältnis hattest Du zu dem Leutnant Stasch, der ja über Jahre dein Ansprechpartner war?

Gundermann: Wie soll ich das jetzt sagen. Ich habe doch in jedem Verein erstmal gedacht, jetzt bin ich bei den Schlauen gelandet. Und wenn ich bei den Guten bin, sind automatisch alle Sachen, die wir machen, gut. Mein eigener Maßstab hat sich erst später wieder eingeschaltet. Ich habe erst später gemerkt, dass die mich nicht als Partner behandeln. Ich hoffte, die warnen mich, wenn auf der Parteischiene wieder was gegen mich läuft. Haben sie aber nicht gemacht.

Also kein besonderes Verhältnis zu Stasch?

Gundermann: Das war nur der Nimbus. Die Leute selber habe ich mir bloß kluggeredet. Der Voigt zum Beispiel, der zweite, der ab und zu kam, der war immer unglücklich, weil er nicht verstanden hat, was ich ihm erklärt habe.


Warst Du ein guter Spion?

Gundermann: Nein. Glaube ich nicht. Die haben mich zwar in den Akten immer als ergiebig und gut eingeschätzt, aber das war doch auch bloß, damit die nach oben gut aussahen. Zum Beispiel nach der Ungarn-Kiste, wo ich zwei Fluchthelfer in die DDR locken sollte. Da habe ich mich so geschämt, weil da alles schief ging. Die haben alle gewusst, was ich für ´ne Larve bin. Aber die haben das als gute Operation eingeschätzt. Ich dachte, ich krieg' nur ´ne Obstschale, weil ich schlecht war. Aber da habe ich mich geirrt. Die fanden mich Klasse. Ich weiß auch nicht, warum.

Wenn du heute die Akte liest, was denkst du dabei?

Gundermann: Die ganzen Dinger mit Planschwindel aufdecken, melden, wenn die Chefs im Betrieb klauen, die Forderungen nach mehr Geld für die Basiskultur in Hoywoy, das ist alles okay. Wo ich für die Brigade Feuerstein gegensteuern wollte, wo was über FDJ und Partei schief lief, war zumindest gutgemeint. Aber was Scheiße ist, sind die persönlichen Sachen. Die Petzberichte, diese widerlichen Arien. Das ist ganz dolle Scheiße.

Aus welcher Motivation hast Du denn das gemacht?

Gundermann: Ich weiß es nicht.

Irgendwann kam der Punkt, an dem du nicht mehr hingegangen bist. Weiß Du, warum?

Gundermann: Ich war sauer geworden. Ein riesengroßer Apparat war mit einem Riesenaufwand damit beschäftigt, Kinderkacke zu produzieren. Diese blöde Sicherheitsdoktrin: wenn ein Mensch ein Problem hat, schafft man nicht das Problem ab, sondern den Menschen. Das ist mir aufgefallen, auch wenn ich ein langsamer Denker bin. Das ganze Land kochte, und die hatten nur Scheiße im Kopf. Zum Schluss bin ich nur noch hingegangen, um denen das begreiflich zu machen, Aber die wollten das nicht hören.

Aber du hast es versucht. War das naiv?

Gundermann: Ja, wahrscheinlich. Ich wollte immer meine Kraft zur Verfügung stellen, und merkte dann immer, daß ich Leuten diene, die überhaupt nüscht auf der Lampe haben. Ich bin dahintergekommen, dass ich die Verantwortung für mein Handeln selber übernehmen muss. Das ist die Lektion, die ich gelernt habe. Leider zu spät.

Wie hast du dann erlebt, dass du ein Thema für die wurdest?

Gundermann: Naja, eigentlich erstmal gar nicht. Ich habe mich ja nicht unbedingt mit der Stasi angelegt. Ich habe mich doch mit Werner Walde, dem SED-Chef von Cottbus, in den Haaren gehabt. Für den war ich ein rotes Tuch. Das ging soweit, dass wir 1988 überlegt haben, ob wir uns pro forma scheiden lassen, damit ich nach Berlin umziehen kann, und aus dem Herrschaftsbereich von dem Walde rauskomme. In Cottbus sind ja Filme und Lieder verboten worden, die überall anders liefen. Also bei SED und FDJ war ich für viele der Spezialfeind. Die hatten Leute auf mich angesetzt, haben Journalisten verboten, über mich zu schreiben. Darüber waren die Stasileute auch ziemlich unglücklich. Die arbeiteten ja mit mir, und dann wurde immer gesagt, dass ich der Böse bin. Von der Partei wurde alles, was ich machen wollte, torpediert: private Kulturinitiativen, Veranstaltungsreihen. Bloß ein Telefon haben wir sofort bekommen, als wir eins haben wollten. (lacht)

Ist das auch ein Grund, warum du nie den Sprung zum vollprofessionellen Künstler gemacht hast? Dass Du Angst hattest, von der Gnade irgendwelcher Kulturfürsten abhängig zu werden?

Gundermann: Ja, ich hatte keine Lust, mich prostituieren zu müssen, um die Band bezahlen zu können. Mir ist lieber, daß ich wie jetzt Konzertanfragen absage, weil ich Schicht habe, als dass ich rumrenne, und um Engagements bettele. Ich wollte mir damals immer die Freiheit bewahren, eine Mugge, die mir nicht passt, absagen zu können, auch wenn ich viel verdienen könnte, und dafür eine Sache zu machen, die mir gar nichts einbringt. Heute ist das im Grunde genommen noch viel schlimmer. Du musst dich schnell verbiegen, um zu überleben. Das will ich nicht. Aber schon durch die Band bin ich da nicht mehr ganz frei, denn die Jungs müssen ja verdienen.

Wie sind die Reaktionen auf die MfS-Sache? Mußt Du Angst haben, die Band und deine Familie bald nicht mehr ernähren zu können?

Gundermann: Der Chef meiner Plattenfirma, wusste es schon länger. Er verstand es. Vivi Eickelberg, die Managerin von Heinz Rudolf Kunze und Herman Van Veen, der ich das auch schon früher erzählt habe, hat es auch ziemlich unaufgeregt genommen. Auch die Silly-Leute, Tamara, andere Kollegen, denen ich es erzählt habe, und die Musiker meiner Band. Alle Leute, die im Osten mal Verantwortung getragen haben, wissen ja, dass ohne die oder gar gegen die nichts ging. Damals musste man die doch als Verbündete in Betracht ziehen, auch wenn das ein Risiko war. Die Alternative war totale Verweigerung - und scheinbar haben die Verweigerer recht behalten. Die können heute sagen: Wir haben eine weiße Weste, wir haben es schon immer gewusst, so wie wir gelebt haben, war es okay, alle anderen sind Schweine. Ich kann damit nichts anfangen. Ich muss immer was tun. Schade ist bloß, dass genau das Gegenteil von dem rausgekommen ist, was ich wollte: das Prinzip Sozialismus wurde auf allen Ebenen verheizt, nicht nur ganz oben, und ich habe mitgemacht. Ich habe Demokratie verhindert, ich habe dafür gesorgt, dass am Ende die Mehrheit der Bevölkerung gegen die Idee war. Das ist meine Schuld, damit muss ich klarkommen. Was das Publikum jetzt zu der Sache sagt, weiß ich noch nicht. Wenn mich jetzt keiner mehr sehen will, kann ich das verstehen. Das ist ihr gutes Recht. Dann mache ich erstmal zwei Jahre Pause. Vielleicht haben sie mir ja danach verziehen.

Dienstag, 1. September 2015

Pankow live: Zuviel rumgerannt


den alten krimi so oft gelesen
rohe spaghetti zu viel gekaut
zu lange geschlafen
zu oft gebadet
und vor allem zu viel fernsehen geschaut
ich bin rumgerannt
zu viel rumgerannt
zu viel rumgerannt
ist doch nichts passiert

zu viele frauen nur angeseh'n
zu viel nur mit mir rumgespielt
zu viel gesoffen
zu viel geredet
zu viele nächte wo nichts passiert
ich bin rumgerannt
zu viel rumgerannt
zu viel rumgerannt
ist doch nichts passiert

das selbe land zu lange geseh'n
die selbe sprache zu lange gehört
zu lange gewartet
zu lange gehofft
zu lange die alten männer verehrt
ich bin rumgerannt
zu viel rumgerannt
zu viel rumgerannt
ist doch nichts passiert

ich bin rumgerannt
zu viel rumgerannt
zu viel rumgerannt
ist doch nichts passiert

Donnerstag, 27. August 2015

Pankow 1985: Im Rockpalast des Ostens


Ist es eine Ehre, wenn eine Schriftstellerin einer Rockband Kritik hinterherwirft? „Das Werk, das sich die jungen Künstler vorgenommen haben, krankt daran, daß der Entwurf „Mensch“ zu klein geraten ist und insgesamt nicht einmal durchschimmert. Die Reflexionswelt dieses jungen Mannes, der mir hier an der Peripherie langgeführt wird, läßt mich kalt. Was wäre denn, wenn er „aus dem Arsch“ käme? Was wäre denn dann, wonach würde er streben, wen denn könnte seine Käsigkeit beglücken? Man muss ja noch froh sein, dass dieser chronische Miesmacher, Nörgler und Muffel nicht aktiver ist, sonst wäre er gänzlich unerträglich“, urteilte Gisela Steineckert Anfang der 80er Jahre über die ersten Stücke der Berliner Band Pankow.

Die ist jetzt wieder da, nach langer Zeit, in alter Besetzung und mit alten und neuen Liedern, Steineckert, die ewige Miesmacherin, wurde überlebt. Zeit für einen Blick zurück auf eine Begegnung mit André Herzberg in Zeiten, von denen heute sicher ist, dass sie nicht die allerbesten waren.

"Aufruhr in den Augen" (Plattentitel) hatte die Gruppe um Sänger André Herzberg und respektlose Sprüche im Mund. "Wenn wir in die Städte kamen, standen die Leute hinter den Gardinen", erinnert er sich. Heute bewegt sich kein Fensterladen, wenn Herzberg einreitet. Spärlich besucht die Klubs, wo er die Gitarre einstöpselt, karg die Gagen und der Applaus dünner als das Klimpern der Gläser in der Spültheke.

Seinerzeit hätten sie alles weggeblasen. Mit einem Gemisch aus rauem Rock und Texten in rüdem Alltagsdeutsch setzten sich die fünf Berliner Musiker hörbar ab von der Ost-Konkurrenz. Pankow gaben sich volksnah und unverblümt - Herzberg sang keine Poesiealbum-Verse, sondern lebenspralle Geschichten von gelangweilten Lehrlingen, fiesen Brigadeleitern und verlogenen Eltern.

In den Konzertsälen feierten Herzberg und sein kongenialer Gitarrist Jürgen Ehle so große Triumphe, dass die Monopol-Plattenfirma Amiga, die das Rockmusical "Paule Panke" noch wegen "ideologischer Unklarheiten" abgelehnt hatte, schließlich eine Platte mit ihnen machen musste. Zensiert allerdings: Das Cover wurde in letzter Minute ausgetauscht.

Herzberg, aufgewachsen in einer streng kommunistischen Familie und zum "Urglauben an das System" erzogen, lächelt nur. "Wir glaubten damals wirklich, dass wir gefährlich sind." Und gefährlich hatte er sein wollen, seit er mit 16 anfing zu zweifeln am Sozialismus, auf den zu Hause nichts kommen durfte. "Auf einmal spürst du, der Prinz ist ein stinkendes Monster." 


Die Enttäuschung sei unendlich gewesen: "Man ist gekränkt, wenn Kinderträume nicht wahr werden." Aus dem Jungen, der zwar immer im Mittelpunkt stehen wollte, aber "jahrelang nicht in der Lage war, sich zu artikulieren", wird der Klassenkasper André. Herzberg organisiert sich so das Privileg, sich austoben zu dürfen: Alle Ernsthaftigkeit versteckt hinter der Maske des Clowns.
Mitten durch die Familie läuft die Front, die die ganze DDR durchzieht. 


"Meine Eltern hatten sich in ihrer Welt eingerichtet, wir Kinder haben opponiert." André ist 17, als es im Hause Herzberg zu "heftigen Reaktionen der Ablösung" kommt. Mit 18 ist er entschlossen, in den Westen zu gehen, doch vorher holt ihn die Volksarmee. André, ein kleiner Mann mit freundlichen Locken, trainiert besonders aufmerksam an der Kalaschnikow. "Ich dachte, man braucht das, um die Funktionäre mit der Waffe in der Hand aus dem Land zu jagen."

Herzberg ist damals, das weiß er heute, "ganz hart drauf". Muff und Mangel und Müdigkeit überall! "Ich habe es gehasst." Die Musik erst stoppt die Terroristenkarriere. "Gitarre statt Knarre", strahlt der 43-Jährige mit samtbraunen Mädchenaugen. Der geplante Umzug in den Westen fällt flach. Auch der Idealist Herzberg ist nur ein Mensch: "Erfolg korrumpiert."


Zumal, wenn man sich im tiefen Einverständnis mit seinem Publikum fühlen darf. "Die Beschränkung gab den nötigen Pfeffer, wir fühlten alle dasselbe und verstanden uns blind." Pankow-Lieder wie "Langeweile", das von alten Männern berichtet, die man zu lange verehrt habe, werden so zu geheimen Hymnen. Der Ostrundfunk wagt es selbst im Sommer '89 nicht, den Song zu spielen. "Aus Rücksichtnahme auf den angegriffenen Gesundheitszustand des Generalsekretärs", wie es heißt.


"Aber eigentlich haben die uns ja gelobt", zweifelt der Sänger und Komponist aus der Distanz eines Jahrzehnts am Wirkungsgrad der eigenen Widerständigkeit. Von wegen aufgemuckt, von wegen zuviel riskiert. Kopfschüttelnd nur hat Herzberg seine Stasi-Akte lesen können: "Wir glaubten, wir machen Aufruhr, und die lachten sich kaputt." Viel zu harmlos sei er gewesen, viel zu versteckt seine Kritik. "Genau genommen müssten wir uns alle schämen."


Noch schlimmer war nur das Erwachen danach. Beim Versuch, den neuen Markt zu erobern, entdeckt eine West-Plattenfirma André Herzberg als "Westernhagen des Ostens" und offeriert einen hochdotierten Vertrag. Pankow, plötzlich ohne Feinde, sind ohnehin am Ende. Beinahe gleichzeitig mit der DDR löst sich die DDR-kritischste der großen Ostrock-Kapellen auf. Der Solokünstler Herzberg aber, die "Kiefer im märkischen Sand" (Liedtitel), ist kein Westernhagen. Das neue Publikum in den alten Ländern mag seinen schnoddrigen Humor nicht. Für die alten Fans in den neuen Ländern aber mag er nicht die alten Hits repetieren. "Sing' noch mal ,Rock 'n' Roll im Stadtpark'", rufen die Leute. André Herzberg spuckt Verachtung. "Mein Gott, mehr wollten die nicht."

Der Mann in der überstrapazierten Jacke ist biestig geworden auf die Welt da draußen vor seinem Prenzelberg-Bau, den er mit Sohn Max (18) bewohnt. Der Beruf des Künstlers sterbe aus, um Erfolg zu haben, müsse man den Idioten spielen oder sein Publikum verachten. "Ich kann beides nicht", erzählt er und rollt sich eine dünne Zigarette zum Tee. Der ist bezahlt, auch den morgen wird er bezahlen können. "Was will ich mehr?"


Seine Ziele stecke er neuerdings in kürzerer Entfernung, das Publikum, das ihn verlassen hat, vermisse er kaum. "Ich mache jetzt viel fürs Theater: ein Musical in Leipzig, ein Volksliederabend in Magdeburg, eine Revue in Saarbrücken." Auch dass sein Freund und Gitarrist Ehle ihn eine ganze Karriere lang als IM Peters an die Stasi verriet, hat der Sänger weggesteckt in ein kleines Kummer-Kästchen, das geschlossen bleibt. Viel schlimmer, lenkt er ab, habe ihn die Tatsache getroffen, dass Ehle nicht von selbst die Kraft fand, darüber zu sprechen. "Doch das passt ja ins Klima."


Alles Lüge, überall Falschheit. "Zuerst belügen dich die Eltern, dann der Lehrer, dann die Regierung, dann deine Frau." Besser lässt er sich nicht beschreiben, der Kosmos des André Herzberg, von dem sein Eigentümer nicht weiß, "wie viele Leute hier drin noch Platz haben". Viele können es nicht sein. Die öffentliche Spur des André Herzberg verliert sich so zwischen Pankow-Comeback-Versuchen, einem beeindruckend unverbogen absolvierten MDR-Moderatorenjob, gelegentlichen Stadtfest-Gastspielen und langen Israel-Reisen.


Schwere Zeiten, in denen der störrische Einzelgänger jeden Tag versucht, den Kopf oben zu behalten. Herzberg hat angefangen, Geschichten zu schreiben. Geschichten zwischen Wohnzimmertherapie und Selbstautopsie, die zu Zeiten spielen, als der Mülleimer runtergebracht sein musste, ehe Mutti kam, und Vati abends noch mal wegging zur Parteiversammlung.


"Ich webe mir ein eigenes Bild, um mich zu erkennen", spricht er ohne Pathos von einer "Reise ins Ich". Demnächst sollen seine Erzählungen als Buch erscheinen - und vor Vorfreude leuchten die dunklen Pupillen. Doch doll ändern wird das nichts, da ist Herzberg Realist. Auch die "gesunde Portion Pessimismus", mit der sich der Künstler im Alltag bewaffnet, als ersehne er, positiv überrascht zu werden, führt nicht vorbei an der Erkenntnis: "Alles fliegt auseinander."

André Herzberg hat sich den Clown aus dem Gesicht geschminkt und den Rebellen in Rente geschickt, der Amiga-Chef Büttner irgendwann nach der Wende noch eine Torte ins Gesicht geballert hatte. Zu den Pankow-Kollegen hat er kaum noch Kontakt, die Erfolgsaussichten eines Comebacks hält er für bescheiden, "wenn ich nicht gerade sterbe wie die Danz und Gundermann". Für ein fertiges Solo-Album jedenfalls, "mit richtigen Liedern, die nicht nur wie so ein trockener Husten durchs Ohr rollen", hat André Herzberg bisher keine Firma gefunden. Vielleicht hat er aber auch gar nicht richtig gesucht.




Mittwoch, 19. August 2015

Mörder-Duo auf der Spur der Schweine

Die Krimi-Königin Anne Holt hat wieder ein Buch mit ihrem Bruder geschrieben.

Das US-amerikanische Cleveland. London auf der englischen Insel. Und Baerum bei Oslo - wenn die norwegische Krimi-Queen Anne Holt einen Thriller schreibt, dann internationalisiert sie gern. Die Handlung springt über Kontinente, der FBI-Ermittler müht sich mit Fällen in Skandinavien ab und der kleine Mord steht gern in einem großen globalen Zusammenhang.

Auch in „Infarkt“, dem zweiten Buch, das die Auflagenmillionärin aus Larvik zusammen mit ihrem Bruder Even geschrieben hat, hängt alles mit allem zusammen. Ein spektakulärer Kunstraub bringt den millionenschweren Unternehmer Najib Aysha um drei wertvolle Gemälde, außerdem sterben in einem von Aysha ausgehaltenen Fußballklub durchtrainierte Sportler an seltsamem Herzversagen.

Die norwegische Kardiologin Sara Zuckerman, vor fünf Jahren schon im ersten Holt&Holt-Roman „Kammerflimmern“ Hauptperson, wird gebeten, sich um die Lösung des Rätsels zu kümmern.
Die Arbeitsteilung unter den Holts ist klar: Even Holt, hauptberuflich Chefkardiologe eines Osloer Krankenhauses, liefert die fachlichen Hintergründe. Anne Holt, seit ihrem Debütroman „Blinde Göttin“ vor fast 25 Jahren eine zuverlässige Lieferantin hochwertiger Thriller-Kost, sorgt für Handlungsablauf, Spannungsaufbau und Personenzeichnung.

Auf den knapp 450 Seiten von „Infarkt“ funktioniert das hervorragend. Anne Holt, studierte Juristin, Ex-Fernsehjournalistin und danach sogar eine Zeit lang norwegische Justizministerin, schreibt in dem flüssigen US-Thrillerstil, den auch Stars wie James Patterson oder Hakan Nesser pflegen. Auf knappe Dialoge folgen pointierte Beschreibungen von Orten und Seelenlagen; Schauplätze, handelnde Personen und Blickwinkel wechseln im Kapiteltakt. Und sobald eine offene Frage beantwortet ist, wird der Leser mit wenigstens zwei neuen konfrontiert.

„Pageturner“ nennen die nie um blumige Bezeichnungen verlegenen Amerikaner diese Art von Büchern, die beste deutsche Übersetzung dafür ist vielleicht „Saugschmöker“: Ein Buch, das sich, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Bei den beiden Holts treibt die Ahnung auf dunkle Abgründe irgendwo in der Vergangenheit die Neugier. Statt andauernder Schießereien, Explosionen und viel Blut vertrauen die ehemalige Polizeijuristin und der Arzt auf den Thrill, der beim Abtauchen in moralische Abgründe entsteht. Es geht um Dopingschweinereien, um Geheimdienste, um die Unmoral, die jedem professionell betriebenen Sport innewohnt, und um Wissenschaftler, die ihr Gewissen im Namen des Fortschritts für viel gutes Geld verkaufen. „Infarkt“ ist ernst gemeinte Unterhaltungsliteratur. Ein Strandbuch, das Schatten spendet.

Dienstag, 18. August 2015

The Cure, Leipzig 1990, DDR: Robert Smith macht das Licht aus

So sah das damals aus, als in der DDR zum ersten Mal eine richtige Westband zu einem Open Air-Konzert außerhalb Berlins rief. 4. August 1990, Festwiese am Zentralstadion in Leipzig, die englische Band The Cure ist da. Mit dem ersten Lied "Shake dog Shake" geht der wandelnde Mehlbeutel Robert Smith in die Offensive, gedämpft, gedrückter Stimmung.

So soll es sein,. "Let's go to Bed", "Walk", "In between Days", "Head on the Door" und das neue Lied "Pictures of You" klagt Smith mit seiner Ningelstimme, passend zum Besuch in der untergehenden DDR heißt das aktuelle Album "Disintegration".

15 000 Fans stehen vor der Bühne auf der Festwiese vor dem Zentralstadion in Leipzig, alles ist Trauerschwarz, Eyeliner, weißes Puder auf dieser "Prayer"-Tour, die mit Laser, Rauch und viel farbigem Licht sehr schön in den letzten Sommer der DDR passt. Am Ende mögen sich die Engländer dann kaum trennen von ihrem ostdeutschen Anhang. Eine Stunde lang gibt es Zugaben für die DDR-Fans.

Hinter der Bühne sagt Robert Smith dann seine Meinung zu den Ereignissen in der DDR: "Ich kann nicht nachvollziehen, wie das Leben hier vor dem Fall der Mauer war. Aber ich glaube, man merkt, dass die Menschen sich jetzt viel wohler fühlen."

The Cure live in Leipzig 1990 Bildstrecke

Donnerstag, 13. August 2015

Sommerrätsel Cerealogie: Kreise im Korn

Wenn da etwas gewesen wäre, hätte er es eigentlich sehen müssen. "Ich war da gleich gegenüber", sagt Günter Armbrecht, "und es war schließlich Vollmond." Aber da war nichts. Kein Geräusch und kein Leuchten, kein Zittern im Feld und kein Sausen in der Luft. Am nächsten Morgen aber ist er dann trotzdem da, der Kornkreis: Ein paar hundert Schritte hinter der Scheune des Gutes Ellerode, das Armbrecht leitet. Ein Blumenmotiv diesmal, sechzig Meter rund und von der nahen Autobahn wundervoll zu sehen.

Wann und wie die Halme im Feld geknickt worden sind, weiß Günter Armbrecht diesmal sowenig wie die vier, fünf Mal zuvor. "Eines Tages sind die Dinger einfach da", beschreibt er das Unbeschreibliche, "und vorher war immer Vollmond." Scheinen sie zu mögen, die Außerirdischen, lacht der Bauer, dem angesichts des Feldschadens nicht viel anderer Grund zum Lachen bleibt. Dort, wo das Getreide niedergetreten wurde, werden seine Mähdrescher bei der Ernte einen großen Bogen fahren müssen. Allerdings nicht wegen geheimnisvoller Kraftfelder und überirdischer Resonanzen. Sondern um nicht die gesamte Ernte zu verderben: "Das Korn in den niedergedrückten Bereichen ist feucht und treibt aus, wenn wir das ernten, versaut es uns nur noch den Rest."

Hier im Dreiländereck zwischen Thüringen, Hessen und Niedersachsen haben die Menschen Erfahrungen mit dem Außersinnlichen, das sich nachts auf die Felder schleicht und die Halme graphisch exakt zur Ruhe bettet. Seit Jahren schon vergeht kein Sommer, ohne dass die Kreise zwischen Heiligenstadt, Göttingen und Kassel nur so aus dem Korn springen. Die Region an der Werra gilt Kornkreisforschern inzwischen als Zentrum liebevoll in die Felder getretener Groß-Symbole.

Plastische Blumen und ringelnde Schleifen, aufblühende Seifenblasen und dreidimensional wirkende Vexierbilder hat Stefan Rampfel schon gesehen, dazu simple Ringe und kleinkalibrige Bögen, komplizierte Labyrinthe und aufwendige Doppel-Spiralen. "Meist ist es so", erzählt der Chefpilot seiner eigenen Flugfirma Goe-Flug, "dass mich die Kornkreisexperten anrufen." Irgendwo hat es dann eine Sichtung gegeben, die Forscher nunmehr aus der Luft bestätigt sehen wollen.

Fein säuberlich werden Fotos gemacht, ins Internet gestellt und mit großem Ernst analysiert. Nach Mustern und Machart unterscheiden Kenner zwischen echten Kornkreisen und menschengemachten Fälschungen, die abfällig als "angelegt" bezeichnet werden. Stefan Rampfel allerdings bleibt skeptisch, ob das so stimmt. "Mir haben schon Leute erzählt, es gehe um übersinnliche Kräfte", sagt er, "und andere sind überzeugt, dass Erdkräfte das Getreide so runterziehen." Eiskristalle, habe ihm einmal ein mitfliegender Forscher anvertraut, entwickelten ja schließlich auch Strukturen und Muster, die denen von Kornkreisen verblüffend glichen.

Näher ist die weltweite Kornkreis-Forschungsbewegung der Lösung um die ominösen Feldzeichen nicht gekommen, seit der südenglische Landwirt Ian Stevens anno 1978 ein bizarres Muster aus niedergedrückten Halmen auf einem seiner Felder entdeckte. Obwohl einige Filme, die im Netz zu sehen sind, anderes zu zeigen vorgeben: Noch nie ist ein Ufo beim Malen eines Kornkreises gefilmt worden. Genausowenig ist es aber der Polizei gelungen, einen der fleißigen Kornkreis-Künstler aus dem Werra-Kreis zu ertappen. "Da müsste wohl erst einer seinen Personalausweis mitten im Kreis verlieren", unkt Günter Armbrecht, der bisher immer vergeblich Anzeige erstattet hat. Auch der Kirschverkäufer an der Straße zwischen Ellerode und Groß Schneen, wo Stefan Rampfel gerade erst ein besonders großes und schickes Exemplar aus einem 16-fach überlagerten Kreis entdeckt hat, ist steinernst: "Die Alien kommen und legen das Getreide mit Magnetkraft flach".

Dabei halten sich die geheimnisvollen Urheber der unverständlichen Botschaften strikt an die ungeschriebene Regel, dass es mehr Kornkreise gibt, wenn es mehr Kornkreise gibt. Nachdem Zeitungen und Fernsehen Anfang der 80er Jahre begannen, sich des Themas anzunehmen, explodierte die Zahl der entdeckten Kornkreise. Allein in England, dem Kornkreis-Mutterland, werden jährlich bis zu 300 Neuentdeckungen gemeldet, in Deutschland gibt es zwei, drei Dutzend Sichtungen durch "Cerealogen", wie sich die Kornkreiskundler selbst nennen. Mehr als 6 000 Kornkreise aus 50 Ländern hat das International Crop Circle Archive seit 1995 gesammelt und ausgewertet - wobei die Zahlen seit 2003, dem Jahr nach Mel Gibsons Kornkreis-Kinohit "Signs", durchweg rückläufig sind.

Doch die Kornkreisforschung hat schon Schlimmeres überstanden. 1991 etwa präsentierte eine britische Zeitung zwei Rentner aus Southhampton, die von sich behaupteten, sie hätten die meisten Kornkreise in England selbst gemacht. Seit 1978, schworen Doug Bower und Dave Corley, seien sie immer wieder ausgezogen, um mit Stricken und Brettern immer komplexere Gebilde in das Getreide zu treten.

Die bis dahin durchaus salonfähige Vermutung, fremde Wesen von fernen Welten könnten Kornkreise nutzen, um mit dem Menschen in Verbindung zu treten, schien erledigt. Cerealogen, die eben noch Kraftfelder auf kornbekreisten Äckern gemessen und "fühlbaren Frieden" in den Grafittis im Grünen entdeckt haben wollten, waren blamiert durch einen Scherz.

Das Phänomen aber hat dann doch überlebt. Mittlerweile geht die ernsthafte Kornkreisforschung davon aus, dass eine große Zahl von entdeckten Kreisen von Menschenhand stammt. Dabei aber handele es sich um "Fälschungen", die von Kennern leicht zu erkennen seien: Mal enttarnen sich die Urheber durch die luschige Umsetzung geometrischer Formen ins Feld. Mal bleiben Hilfsmarkierungen zurück oder Fußspuren künden vom äußerst irdischen Tun der Gelegenheits-Aliens.

Echte Kornkreise hingegen bestünden aus Halmen, die umgelegt, aber nicht geknickt seien. Zudem, sind Kornkreisforscher wie der Radiästhesie-Rutengänger Horst Grünfelder sicher, ließen sich "morphologische Felder" in ihnen nachweisen. Und noch viel, viel mehr, wie Nancy Talbott von der amerikanischen Kornkreis-Forschungsorganisation BLT Research kürzlich erst verkündet hat. Pflanzen und Böden in echten Kornkreisen wiesen "Spuren einer mikrowellenartigen Strahlung" auf, die auf eine "Plasma-Entladung" deute. Immer wieder berichten zufällige Beobachter von Feldern, auf denen später Kornkreise entdeckt werden, von schwebenden Lichtbällen und seltsamen Geräuschen, die durch menschliche Tätigkeit nicht erklärt werden könnten.

Wer sehen will, der sieht, und wer genauer hinschaut, sieht sogar, was er nicht sehen soll. "Ich staune ja oft, woher die Kornkreisforscher immer so schnell wissen, wo ein neuer Kreis ausgetaucht ist", sagt Stefan Rampfel, der seit 2006 über dem Werratal fliegt und doch erst vor drei Wochen erstmals einen Kreis als Erster entdeckt hat - aus der Luft. "Der war wunderschön", sagt er, "aber vom Boden überhaupt nicht zu sehen."

Welchen Sinn eine Botschaft haben soll, die niemand sehen und auf jeden Fall keiner verstehen kann, fragt sich Günter Armbrecht schon lange nicht mehr. "Natürlich sind es immer die da oben", grient der Landwirt und wedelt mit der Hand gen Himmel. Immer zu Vollmond kommen sie, die Aliens. "Da braucht man dann keine Taschenlampe", schmunzelt Armbrecht, der die geheime Botschaft der Kreise längst entschlüsselt hat: Die fremden Botschafter von fernen Welten gehen lieber in Weizen als in Gerste. "Die juckt nämlich so."

Kleiner Grenzverkehr: Auf ein Bier zum Klas­sen­feind

Es wurde immerzu gerufen. Gerufen und gewunken. "Manche haben provoziert, aber die meisten Leute waren doch ganz freundlich zu uns", sagt Gerd Voigt. Nette Menschen, da hinter dem Dreifach-Zaun aus Stacheldraht, an dem der Westen begann. "Da konnten die uns im Politunterricht noch so viel Quatsch erzählen, wir haben das nicht geglaubt." Gerd Voigt, seinerzeit Unteroffizier bei den Grenztruppen der DDR, war "nicht gerade ein Vorzeige-Soldat", wie er selbst sagt. Statt die Posten zu kontrollieren, legt der 21-Jährige sich schon mal im Wald aufs Ohr.

Und passiert ist sowieso nie etwas. Einen Steinwurf weit weg von der am besten bewachten Grenze der Welt können Voigt und seine Freunde Joachim Gaum, Peter Dahte und Peter Kertzscher auch am Himmelfahrtstag 1965 keine Bedrohung ausmachen. Drüben, hinter dem Todesstreifen, stehen ein paar Jungs und brüllen: "Kommt doch mal rüber, wir haben ein Bier für euch!" Auch das nichts Besonderes. Aber diesmal beratschlagt das Quartett aus Leipzig ernsthaft: "Sollen wir oder nicht?"

Zwischen dem hessischen Wanfried und dem thüringischen Diedorf zerschneidet der Grenzzaun die ehemalige Verbindungsstraße. Am tiefsten Punkt einer Senke spannt sich der Draht über einen Abwassergraben. "Minen konnten da nicht sein", erinnert sich Gerd Voigt, "denn die hätte der Regen rausgespült." Die vier jungen Männer kommen überein, dass das Risiko so groß nicht sein kann. Kurz entschlossen schieben sich Voigt und Gaum unter dem dreifachen Zaun hindurch, gedeckt von einem kleinen Wald.

"Die erste Enttäuschung über den Westen", so Voigt, wartet direkt hinter dem Todesstreifen: "Die hatten kein Bier." Allerdings ist der Klassenfeind mit Motorrädern ausgestattet und bereit, nach Wanfried zu fahren, um ein paar Flaschen zu kaufen. "Also haben wir gesagt, wir kommen nachher wieder rüber und holen uns die Pullen ab."

Eines der wunderlichsten Kapitel der deutsch-deutschen Grenzgeschichte nimmt so seinen Anfang. Das Bier wird geliefert und abgeholt. Ost-Grenzer und West-Rocker schwatzen noch ein bisschen. "Dann sind wir wieder zurück, haben uns im Wald verkrümelt und die Flaschen leer gemacht."

Am Tag danach fallen Zugführer und stellvertretender Zugführer krankheitsbedingt aus. "Plötzlich musste ich die Wachen einteilen", grinst Gerd Voigt. Er nutzt seine Chance und schickt die Teilnehmer des kleinen Grenzverkehrs gemeinsam auf Patrouille. Die wiederum nutzen ihre Chance und wagen anfangs hin und wieder, später regelmäßig Ausflüge ins Feindesland. Dort können bald Zigaretten bestellt und Romanhefte geordert werden. Der West-Zollbeamte Rolf Beckmann ist immer für einen Schwatz gut, und die Frage, ob man nicht lieber im Westen bleiben wolle, wird nach kurzer Zeit auch nicht mehr gestellt.

"Das war ja für uns nie der Punkt", erinnert sich Gerd Voigt, "wir haben immer gesagt, wenn einer abhauen will, dann im Ausgang, da bekommen die anderen wenigstens keine Probleme." An diese Übereinkunft halten sich alle Eingeweihten - obwohl es immer mehr werden, die sich den Ausflügen anschließen. Nach sechs Monaten ist ein kompletter Grenzzug im Bilde, abgesehen von zwei Soldaten, die als unsichere Kantonisten gelten.

Kurz vor ihrer Entlassung werden die Grenzgänger vorsichtiger. "Wir haben einfach Schluss gemacht." Das Schweigekartell hält. Die Grenzgänger werden entlassen. Es ist Oktober 1965. Nur einen Tag später trommelt die Stasi bei Voigts an die Tür. "Klärung eines Sachverhaltes", heißt es. Nun folgen tagelange Verhöre, Haussuchungen und Gegenüberstellungen, schließlich das Geständnis, denn "die wussten alles". Es gab einen Kronzeugen: Ein DDR-Grenzer war kurz zuvor in den Westen geflüchtet, hatte es sich aber nach einer Woche anders überlegt. "Der hat uns verpfiffen, um Straffreiheit zu kriegen."

Es kommen die schlimmsten Wochen. Sechs Monate sitzen die vier aus der Kompanie Katharinenberg in Einzelhaft. Drei Tage dauert der Schauprozess wegen "Verbindungsaufnahme zu verbrecherischen Organisationen" und Militärspionage. Für ein paar Zigaretten hätten die Angeklagten ihr Vaterland verraten, heißt es, und als Beweis legt der Militärstaatsanwalt ein Bieretikett der Marke "Binding" vor, auf dem alle Beteiligten unterschrieben haben.

Das Ende ist ausgemacht: Zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Jahren Zuchthaus lautet das Urteil gegen die vier Hauptbeschuldigten. Das Wäldchen, in dessen Schutz "das Grenzregime permanent verletzt" worden war, ist längst gerodet, als die Delinquenten ihre Zellen im Stasi-Knast Pankow beziehen.

Diese Sache hat die vier Männer fürs Leben zusammengeschweißt. Gemeinsam saßen sie ihre Jahre ab, gemeinsam schafften sie den Neuanfang. Gemeinsam kämpften sie nach dem Mauerfall um eine Aufhebung ihrer Verurteilung. Und gemeinsam mussten sie sich nach sieben Jahren Hoffen auf vollständige Rehabilitation belehren lassen, dass ihre Verurteilung nach DDR-Recht gerechtfertigt war. "Gemeinsam sind wir folglich noch immer vorbestraft", sagt Gerd Voigt bissig.

Einmal im Jahr fahren die vier Militärspione nach Diedorf, besuchen ihre alte Stammkneipe und treffen Rolf Beckmann von der "verbrecherischen Organisation" Zoll. Sie trinken ein Bier Marke Binding und pflanzen dann einen Baum. Genau dort, wo nach ihrer Verhaftung das kleine Wäldchen gerodet worden war.